Wie zwischen Berlin und Cottbus Deutschlands spannendste Zukunftsregion wächst
Der Innovationskorridor Berlin-Lausitz soll Wissenschaft, Wirtschaft und Lebensqualität eng miteinander verzahnen
Was lange wie eine politische Vision klang, nimmt konkrete Konturen an: Der Innovationskorridor Berlin-Lausitz soll Wissenschaft, Wirtschaft und Lebensqualität eng miteinander verzahnen – und entwickelt dabei eine Dynamik, die bundesweit Aufmerksamkeit erzeugt.
„Es gibt heute deutlich weniger Erklärungsbedarf als noch vor einigen Jahren“, sagt Lilli Zylka von der WISTA Management GmbH. Gemeinsam mit Janine Schollbach und Sebastian Sammt von der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH koordiniert sie den Aufbau des Innovationskorridors – eines Projekts, das aus gemeinsamen Beschlüssen der Landesregierungen von Berlin und Brandenburg hervorgegangen ist und von den beiden Organisationen gesteuert wird. Ziel ist es, die Region entlang der Achse Berlin-Cottbus strategisch zu entwickeln und die Potenziale des Strukturwandels gemeinsam zu nutzen. Dabei verstehen sich die Beteiligten nicht als klassische Projektsteuernde mit festen Kennzahlen, sondern mehr als Vernetzende einer Region im Wandel. Der Korridor sei kein befristetes Förderprojekt mit starren Zielvorgaben, erklärt Zylka. Vielmehr gehe es darum, Akteurinnen und Akteure zusammenzubringen, Kooperationen anzustoßen und gemeinsame Entwicklungslinien sichtbar zu machen.
Im Zentrum steht dabei das Thema Energiewendelösungen. Für Sammt ist das nur folgerichtig. Die Lausitz verfüge über jahrzehntelange Energiekompetenz und müsse diese nun in eine nachhaltige Zukunft überführen. „Wir kennen uns mit Strom und Energie aus“, sagt er. „Jetzt geht es darum, dieses Wissen zu transformieren.“
Dass dafür erhebliche Mittel bereitstehen, verändert die Region bereits sichtbar. Von den 10,3 Milliarden Euro Strukturhilfen für die brandenburgische Lausitz fließen rund sechs Milliarden in Wissenschaft und Forschung. Neue Institute entstehen, darunter Einrichtungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien oder die neue Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem. Besonders sichtbar wird der Wandel am Lausitz Science Park in Cottbus. Auf dem ehemaligen Flugplatzgelände entsteht ein Forschungs- und Innovationsstandort mit internationalem Anspruch.
Parallel sollen entlang des Korridors Flächen für industrielle Produktion entwickelt werden – dort, wo Berlin an räumliche Grenzen stößt. „Die Ideen entstehen in den Zentren, aber die Produktion braucht Platz“, sagt Sammt. Genau darin liege die Chance der Region zwischen Berlin und Lausitz. Orte wie Lübbenau, Wildau oder das Industriegebiet Schwarze Pumpe sollen künftig Teil neuer Wertschöpfungsketten werden – verbunden durch bessere Infrastruktur und schnellere Mobilität.
Ein wichtiger Baustein ist dabei der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Berlin und Cottbus. Nach Abschluss der Arbeiten soll die Fahrzeit auf unter eine Stunde sinken. Für die Initiator:innen ist das mehr als ein Verkehrsprojekt. Es geht um die Vorstellung einer gemeinsamen Entwicklungsregion.
Doch der Innovationskorridor lebt nicht allein von Großprojekten und Fördermilliarden. Entscheidend seien die Beziehungen zwischen den Menschen, betont Zylka. Gerade diese persönlichen Begegnungen seien oft der Ausgangspunkt neuer Kooperationen. Netzwerkveranstaltungen, Unternehmensbesuche und kleinere Austauschformate entlang der gesamten Achse bringen Wissenschaft, Wirtschaft, Anwohnende und Verwaltung regelmäßig zusammen. So wachsen inzwischen erste Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen in Berlin und Industrieunternehmen in der Lausitz – etwa bei Energietechnologien oder nachhaltiger Produktion.
Die Koordination der vielen Interessen bleibt anspruchsvoll. Unterschiedliche Erwartungen und Perspektiven müssten immer wieder zusammengeführt werden. Trotzdem erleben die Akteur:innen vor allem Aufbruchsstimmung. „Das stärkste Bild, das ich in der Arbeit habe, sind Menschen, die motiviert sind und daran glauben, dass alle profitieren, wenn wir kooperieren“, sagt Zylka. Dass sich die Entwicklung inzwischen auch wirtschaftlich bemerkbar macht, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Demnach gilt Cottbus derzeit als dynamischste Wirtschaftsregion Deutschlands. Für Sammt ist das ein deutliches Signal: „Wir können das nicht direkt auf unsere Arbeit zurückführen. Aber unsere Partner und wir sind definitiv Teil dieser Entwicklung.“ Zylka ergänzt: „Zwischen Berlin und der Lausitz entsteht nicht nur wirtschaftlicher Wandel, hier entwickelt sich das Selbstverständnis einer gemeinsamen Zukunftsregion.“
Rico Bigelmann für Potenzial
Innovationskorridor Berlin – Lausitz


