Vom Flugplatz zum Zukunftslabor
In Cottbus entsteht der Lausitz Science Park, ein Wirtschafts- und Wissenschaftspark mit großen Ambitionen und dem Anspruch, der Lausitz eine neue Perspektive zu geben
Noch ist vieles Baustelle. Straßen müssen erschlossen, Flächen entwickelt und Gebäude geplant werden. Wer mit Julia Raunick und Markus Schwenke spricht, die die Planungs- und Vorbereitungsphase des Lausitz Science Parks an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) koordinieren, merkt schnell: Die eigentliche Arbeit beginnt lange, bevor der erste Beton gegossen wird.
„Es ist ein Mehrgenerationenprojekt“, sagt Projektleiter Schwenke. In fünf oder zehn Jahren werde erst ein Teil dessen sichtbar, was einmal entstehen soll. Bis 2031 soll das Kerngebiet des Science Parks, das früher ein militärisch genutzter Flugplatz war, erschlossen sein – ausgestattet mit moderner Infrastruktur, 5G-Netzen und Forschungsflächen für Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen. Parallel dazu ist für den Norden von Cottbus ein neuer Stadtteil geplant: urban, vernetzt und eng mit der BTU verbunden. Schwenke beschreibt eine Vision mit kurzen Wegen, Fahrradverbindungen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Freizeitflächen.
Die Nähe zur Innenstadt und die Lage entlang des Innovationskorridors Richtung Berlin spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Anbindung nach Dresden und Osteuropa.
Während die langfristigen Bilder bereits erstaunlich konkret wirken, befindet sich vieles operativ noch mitten im Aufbau. Die Erschließung der Kernflächen hat begonnen, erste Forschungseinrichtungen bauen bereits an einem gemeinsamen Campus. Fraunhofer-Gesellschaft, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und Leibniz-Institute werden künftig vertreten sein.
Gleichzeitig entsteht mit der Lausitz Science Park GmbH eine neue Betreibergesellschaft, mehrheitlich getragen von Stadt und Universität, auch die WISTA Management GmbH ist beteiligt. Diese Konstruktion sei entscheidend gewesen, erklärt Schwenke. Die Universität allein könne ein Projekt dieser Größenordnung nicht entwickeln – schon deshalb nicht, weil ein Großteil der
420 Hektar umfassenden Fläche kommunales Eigentum ist.
Dabei orientiert sich das Projekt an bekannten Vorbildern wie dem Technologiepark Adlershof. Gleichzeitig betonen die beiden Projektmanager:innen immer wieder die Unterschiede. Die Lausitz sei keine Millionenmetropole mit starkem Bevölkerungswachstum. Gerade deshalb müsse der Standort einen individuellen Charakter entwickeln. Die Erfahrungen anderer Science Parks seien hilfreich, aber nicht eins zu eins übertragbar. Deshalb habe das Team früh begonnen, internationale Netzwerke aufzubauen – nach Polen, Österreich, Spanien und Schottland. Der Austausch mit anderen Regionen helfe dabei, Fehler zu vermeiden und funktionierende Modelle zu übertragen.
Ein Science Park besteht nicht allein aus Gebäuden. Entscheidend sei ein funktionierendes Innovationsökosystem – mit Start-ups, Netzwerken und einer engen Verzahnung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Genau hier sieht Raunick eine der großen Chancen der Lausitz. Die BTU bilde seit Jahren internationale Fachkräfte aus, viele davon würden gern in der Region bleiben. Rund 45 Prozent der Studierenden kommen inzwischen aus dem Ausland. Der Science Park solle ihnen künftig Perspektiven bieten – insbesondere in Zukunftsfeldern wie Dekarbonisierung, künstlicher Intelligenz, Sensorik oder Gesundheitswissenschaften.
Damit aus internationalen Studierenden langfristig auch Gründerinnen, Forscher oder Unternehmerinnen in der Region werden, setzt der Science Park zunehmend auf eigene Formate. Die „Language Lounge“ ist der Treffpunkt für alle, die im Park arbeiten, studieren, forschen oder gründen – und Lust haben, in entspannter Atmosphäre Sprachen zu üben. Im „Innovators Club“ arbeiten Studierende und junge Gründer an ersten Geschäftsideen, begleitet von Mentorinnen und erfahrenen Unternehmern.
Viele internationale Studierende wollten heute bewusst eigene Projekte starten, statt ausschließlich klassische Karrierewege einzuschlagen. Der Science Park versuche deshalb, möglichst früh anzusetzen – noch bevor aus Ideen konkrete Start-ups werden. Schwenke sieht darin einen entscheidenden Faktor. Große Erfolgsgeschichten entstünden selten geplant. Wichtig sei zunächst, möglichst viele Menschen überhaupt für Gründungsideen zu begeistern.
Im Hintergrund bleibt dabei stets das größere Thema präsent: der Strukturwandel der Lausitz. Für Raunick liegt darin die zentrale Aufgabe des Science Parks. Es gehe nicht darum, kurzfristig Arbeitsplätze zu schaffen, sondern langfristige Wertschöpfung aufzubauen.
Deshalb bemüht sich das Projektteam auch darum, den Science Park früh sichtbar zu machen, etwa durch Veranstaltungen, Netzwerkformate und öffentliche Auftritte. Der symbolische Wert solcher Momente sei nicht zu unterschätzen, sagt Raunick. Wenn der erste Spatenstich sichtbar werde, entstehe für viele Menschen überhaupt erst das Gefühl, dass aus Visionen Realität werden könne.
Rico Bigelmann für Potenzial
Lausitz Science Park - BTU Cottbus-Senftenberg


