Ein neuer Innovationscampus im Berliner Südwesten – wo aus Wissen Wirtschaft wird
Das FUBIC schafft Raum für technologieorientierte Unternehmen
Noch wird im FUBIC (Business and Innovation Center next to Freie Universität Berlin Campus) gebohrt, verkabelt und verputzt. Mit dem ehemaligen US-Militärkrankenhaus an der Fabeckstraße entsteht am Zukunftsort Südwest ein neuer Innovationscampus.
Julian Kahl beschäftigt weniger die Frage, wann die letzten Gewerke gehen. Ihn interessiert, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgreiche Unternehmen entstehen und wachsen. Seit März 2026 leitet er bei der WISTA Management GmbH das Gründungs- und Technologiezentrum im Berliner Südwesten. Künftig werden hier bis zu 80 technologieorientierte Start-ups und junge Unternehmen eine Heimat finden und bis zu 1.000 Arbeitsplätze entstehen. Das FUBIC soll dabei ein Problem lösen, das der Standort seit Jahren kennt: In Dahlem gibt es eine außerordentliche Dichte an Forschungseinrichtungen, aber bislang vergleichsweise wenig Raum für Unternehmen, die aus dieser Forschung hervorgehen und wachsen wollen.
Die wissenschaftliche Tradition des Standorts reicht mehr als hundert Jahre zurück. 1912 entstanden erste Institute der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, aus denen später Max-Planck-Institute hervorgingen. Nach dem Krieg kam die Freie Universität Berlin hinzu. Heute liegen FU Berlin, Max-Planck-Institute, Zuse-Institut und Einrichtungen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sowie der Campus Benjamin Franklin der Charité – Universitätsmedizin Berlin in unmittelbarer Nähe zueinander.
An Forschung mangelte es hier also nie. „Was bislang fehlte“, sagt Kahl, „war ein Ort, an dem junge Unternehmen nach den ersten Entwicklungsschritten bleiben und weiterwachsen können. Diese Lücke möchten wir jetzt schließen.“
Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt entstand die Idee eines Technologiezentrums im Berliner Südwesten. Wichtige Weichen für das Vorhaben wurden in den folgenden Jahren mit einem städtebaulichen Vertrag, einem Bebauungsplan und der Bereitstellung von Fördermitteln gestellt. Das ehemalige amerikanische Hospital, das nach dem Abzug der Alliierten unter anderem von der Charité genutzt wurde und später weitgehend leer stand, sollte zum Zentrum eines neuen Technologiequartiers werden.
„Forschungsintensive Gründungen aus den Bereichen Life Sciences und Deep Tech stehen häufig vor der Herausforderung, geeignete Labor- und Büroflächen für ihr weiteres Wachstum zu finden“, sagt Kahl. Das FUBIC soll hierfür die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und technologieorientierte Start-ups dabei unterstützen, langfristig am Standort zu wachsen.
Es richtet sich insbesondere an Gründungen und junge Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences, Gesundheitswirtschaft sowie der Informations- und Kommunikationstechnologien, die aus den lokalen Wissenschaftsinstitutionen hervorgehen. Mit dem FUBIC entsteht eine auf die Bedürfnisse dieser Unternehmen zugeschnittene Infrastruktur mit Labor- und Büroflächen, Coworking-Bereichen, Gemeinschaftsflächen und flankierenden Unterstützungsangeboten.
Damit soll der Innovationscampus auch Impulsgeber für den Zukunftsort Berlin SÜDWEST werden. Rund um die Wissenschaftseinrichtungen sollen Forschung, Gründung und Wirtschaft enger zusammenrücken.
Auch die Verzahnung der verschiedenen Branchenschwerpunkte am Campus spielt für Kahl eine wichtige Rolle. Großes Innovationspotenzial sieht er etwa an den Schnittstellen von Biotechnologie, Datenwissenschaften und automatisierten Laborprozessen, dort, wo spezialisierte Infrastruktur und digitale Technologien die Entwicklung neuer Therapien, Diagnostikverfahren und industrielle Anwendungen unterstützen.
„Solche Verbindungen lassen sich nicht verordnen. Wir können aber ein Umfeld schaffen, das Barrieren für Gründungen überwindet, den Austausch zwischen unterschiedlichen Disziplinen fördert und junge Unternehmen auf ihrem Wachstumspfad unterstützt“, ergänzt er.
Am entstehenden Campus befindet sich auch das FUHUB, das bereits im Jahr 2025 den Betrieb aufnahm. Konkurrenz sieht Kahl darin nicht. Das öffentlich geförderte FUBIC und die privat entwickelten Flächen des FUHUB richten sich an unterschiedliche Zielgruppen und sollen sich ergänzen, z. B. durch das Scale-up-Lab der FUB Innovation GmbH.
Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich Kahl mit der Förderung von Gründungen aus der Wissenschaft und dem Technologietransfer, unter anderem bei der Fraunhofer-Gesellschaft und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Noch vor der Eröffnung geht es für ihn vor allem darum, die richtigen Akteure zusammenzubringen. Mit dem Aufbau strategischer Partnerschaften und mit ersten Ankernutzern soll ein Ökosystem entstehen, das technologieorientierten Gründungen den Zugang zu Laborinfrastruktur, Talenten, Kapital und Kooperationspartnern erleichtert.
Die Vorvermarktung hat begonnen. „Über das große Gründungspotenzial im Berliner Südwesten hinaus richtet sich das FUBIC bewusst auch deutschlandweit an technologieorientierte Unternehmen und an internationale Start-ups, die im Berliner Ökosystem Fuß fassen möchten“, ergänzt Kahl.
Rico Bigelmann für Potenzial
WISTA-Innovationscampus FUBIC – Services für Startups in Berlin SÜDWEST
