Karriere im Code
Das Data Science Institute aus dem Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC) qualifiziert Quereinsteiger:innen für den Zugang in datengetriebene Berufe
Der Bedarf an Fachkräften im Bereich Daten und künstliche Intelligenz wächst rasant. Gleichzeitig suchen viele Menschen nach neuen beruflichen Perspektiven jenseits ihres ursprünglichen Werdegangs. Das Data Science Institute in Berlin bringt beides zusammen und qualifiziert Quereinsteiger:innen für den Zugang in datengetriebene Berufe.
Vor wenigen Monaten waren sie noch Servicekraft, Buchhalter oder Lehrerin. Heute arbeiten sie mit Daten, Code und Machine-Learning-Modellen. Beim Data Science Institute (DSI) in Berlin ist dieser Sprung kein Einzelfall, sondern Programm. Menschen mit fachfremdem Hintergrund lernen hier in wenigen Monaten, Daten auszuwerten, Modelle zu entwickeln und Anwendungen umzusetzen. „Wir bringen Quereinsteiger:innen alles bei, was sie brauchen, um in der IT anzufangen, vor allem im Datenbereich“, sagt Gründer und Geschäftsführer Fabian Rappert.
Das Data Science Institute, beheimatet im Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC), versteht sich als Bildungsträger für den Einstieg in datengetriebene Berufe. Im Zentrum steht ein eigenes E-Learning-Programm. Es richtet sich vor allem an Quereinsteiger:innen mit akademischem Hintergrund, die sich in Richtung IT und künstliche Intelligenz entwickeln wollen. In modular aufgebauten Kursen lernen sie zunächst Programmierung und den Umgang mit Datenbanken, bevor sie sich mit statistischen Methoden und Machine Learning beschäftigen.
Ergänzt wird das eLearning durch feste Kursstrukturen und eine enge persönliche Betreuung. „Wir setzen bewusst auf eine Kombination aus selbstgesteuertem Lernen und intensiver Begleitung“, sagt Rappert. Ziel sei es, nicht nur Inhalte zu vermitteln, sondern ein echtes Verständnis für Daten und Modelle aufzubauen.
Ein besonderer Fokus liegt zudem auf dem Übergang in den Arbeitsmarkt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten an praxisnahen Projekten und werden gezielt beim Einstieg in den Arbeitsmarkt begleitet.
Die Idee für das Start-up kam Rappert beim Bootfahren auf dem Wannsee. „Ein Freund hat mich damals gefragt, ob ich ihm Programmieren beibringen kann“, erinnert er sich. Aus diesem Freundschaftsdienst wurde 2021 das Data Science Institute. Heute beschäftigt das Unternehmen 18 Mitarbeitende und mehr als zehn freiberufliche Coaches.
Der Einstieg in die Programme ist kein Selbstläufer. Rund 400 Menschen bewerben sich jeden Monat, etwa 30 werden aufgenommen. Neben einem abgeschlossenen Studium spielen Motivation und Durchhaltevermögen eine entscheidende Rolle. „Der Arbeitsmarkt ist in vielerlei Hinsicht diskriminierend, vor allem, wenn es um formale Abschlüsse geht“, sagt der Gründer. „Es gibt viele Menschen ohne klassischen Hochschulweg, die fachlich hervorragend sind, aber trotzdem keine Chance bekommen.“
Das Institut orientiert sich dennoch an diesen Rahmenbedingungen. Wer die Weiterbildung durchläuft, soll am Ende auch tatsächlich eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Auch um Frustrationen zu vermeiden, setzt sein Institut auf eine sorgfältige Vorauswahl. Wer keine solide Grundlage in Mathematik oder Statistik mitbringt, hat es deutlich schwerer. Nicht jede und jeder sei für diese Art von Arbeit geeignet, meint Rappert. „Wir müssen sicherstellen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Inhalte wirklich verstehen und nicht nur oberflächlich anwenden.“
Die Anforderungen in der Arbeitswelt verändern sich rasant. Während einfache Anwendungen von künstlicher Intelligenz heute vielerorts zum Alltag gehören, steigt gleichzeitig der Bedarf an Fachkräften, die die zugrunde liegenden Systeme verstehen. „KI bedienen kann inzwischen fast jede:r. Zu verstehen, was im Hintergrund passiert, und daraus echten Mehrwert zu schaffen, ist etwas ganz anderes“, sagt Rappert.
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer kämen zunächst mit großen Zweifeln, berichtet der Gründer. Oft hätten sie das Gefühl, alle anderen seien weiter, bis sie merken, dass auch dort nur „mit Wasser gekocht“ wird.
Ein Beispiel aus seinen Kursen zeigt, wie steil diese Entwicklung verlaufen kann: „Wir hatten eine Teilnehmerin mit BWL-Studium, die nach einer Familienphase zeitweise im Service gearbeitet hat“, erzählt er. „Sie ist über die Weiterbildung zunächst ins IT-Consulting gegangen und arbeitet heute als Programmiererin.“
Kai Dürfeld für Potenzial
Data Science Institute: Kostenlose IT-Weiterbildung
