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13. Januar 2023

Große Herausforderungen, große Zukunft

Die Wissenschaftsstadt Adlershof boomt. Verfügbare Flächen sind rar geworden. Ist eine Erfolgsgeschichte auserzählt? Weit gefehlt. Denn: Im Südosten Berlins gibt es viel Neues. Die Zukunft wird spannend.

Schlägt das nächste Kapitel des Technologieparks Adlershof auf: WISTA-Chef Roland Sillmann © WISTA Management GmbH
Soll kluge Köpfe unter seinem Dach vereinen: das künftige Grand-Challenges-Zentrum © gmp Generalplanungsgesellschaft mbH

Adlershof: Blaupause für Technologieparks weltweit, von Amerika bis China. Eine Erfolgsgeschichte. Eine, die auserzählt ist? Roland Sillmann, Geschäftsführer der WISTA Management GmbH, huscht ein leichtes Lächeln über die Lippen: „Auserzählt? Bestimmt nicht. Ich würde eher sagen: Das erste Kapitel ist abgeschlossen.“

Dieses erste Kapitel handelt von einem atemberaubenden Transformationsprozess nach der Wende, hin zu einem technisch-wissenschaftlichen Motor der Stadt, einem Beispiel dafür, dass in Berlin auch etwas herausragend gelingen kann. „Wir haben gezeigt, dass unser Konzept ein gutes Instrument zur Bewältigung eines Strukturwandels ist.“ Die heute rund 25.000 Beschäftigten des Wissenschafts- und Technologieparks zeugen davon.

Der strukturpolitische Job ist erledigt. Zeit also, das zweite Kapitel aufzuschlagen. „Jetzt geht es nicht mehr nur darum, Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärt Sillmann, „sondern wir wollen auch einen substanziellen Beitrag leisten, die sogenannten Grand Challenges zu lösen.“ Darunter sind die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit wie Nachhaltigkeit, demografischer Wandel, Klimaschutz, Energiewende und Gesundheit zu verstehen.

Jetzt kommt es darauf an, die besten Talente aus aller Welt anzuziehen. Das heißt auch: Die Aufenthaltsqualität des Standortes weiter zu steigern, attraktive Arbeitsplätze und Coworking-Spaces zu schaffen. Besonders weil sich das Homeoffice nach der Corona-Pandemie großer Beliebtheit erfreut, sieht Sillmann hier Handlungsbedarf: „Ich halte den persönlichen Austausch nach wie vor für extrem wichtig, weil er die Kreativität anregt. Dafür müssen wir Räume schaffen, in denen man sich gern begegnet, austauscht und Ideen entwickelt.“ Wie diese idealerweise aussehen sollten, erforscht die WISTA aktuell gemeinsam mit Wissenschaftler:innen.

Solche Räume wird auch das „Grand Challenges Zentrum“, kurz: GCZ, bieten. In diesem interdisziplinären Kompetenzzentrum sollen Gründer:innen, etablierte Unternehmer:innen und Wissenschaftler:innen interdisziplinär Lösungen für drängende Probleme entwickeln. Geplant ist, das Zentrum mit rund 15.000 Quadratmetern Nutzfläche direkt an der Rudower Chaussee zu errichten – „auf unserem letzten Filetgrundstück“, wie Sillmann anmerkt. Wenn das Zentrum in ein paar Jahren seinen Betrieb aufnimmt, wird es ein weiterer Magnet des Standorts Adlershof für internationale Top-Talente sein.

Darüber hinaus setzt die WISTA verstärkt auf Kooperationen, etwa mit Berliner Unternehmen. Dies geschieht auch, um Materialabhängigkeiten, etwa von Halbleitern oder pharmazeutischen Vorprodukten aus Asien, abzubauen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Zusammenarbeit mit anderen Berliner Zukunftsorten wie der Siemensstadt oder rund um das FUBIC (Business and Innovation Center next to Freie Universität Berlin Campus), einem unter der Ägide der WISTA entstehenden Innovationscampus für technologieorientierte Start-ups und junge Unternehmen aus den Bereichen Life-Science, Gesundheitswirtschaft und Informatik.

Eine bedeutende Rolle werden künftig Innovationskorridore entlang der Bahnlinien nach Berlin spielen. Allen voran die Achse von Adlershof zum Lausitz Science Park in Cottbus. Wer jetzt anmerkt: „Ist aber weit weg“, dem entgegnet Sillmann, dass das relativ sei, denn nur anderthalb Stunden Zugfahrt trennen beide Standorte. Genauso viel Zeit, die eine Autofahrt im Berufsverkehr von Pankow nach Adlershof beansprucht: „Wir müssen weg vom Denken in der Kategorie ‚Entfernung zum Arbeitsplatz‘ hin zu ‚Fahrzeit zum Arbeitsplatz‘“, betont Sillmann. Erst dann können beide Technologieparks als Einheit begriffen und enorme Entwicklungsmöglichkeiten erkannt werden.

Allerdings habe das Pendant zum Technologiepark Adlershof in der Lausitz noch seinen Strukturwandel vor sich. Es zeichne sich aber bereits jetzt ab, dass sich namhafte Forschungsinstitute und Unternehmen dort ansiedeln werden. Synergien sind also garantiert. Berlin und Brandenburg müssen künftig zusammenwachsen und gemeinsam als Hauptstadtregion entwickelt werden. Adlershof kann hierfür ein wichtiger Antrieb sein, wobei die Digitalisierung eine maßgebliche Rolle spielen wird. Mit einem 5G-Campusnetz und Kommunikationstechnologien wie LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) steht die Infrastruktur am Standort, um schnell neue Ideen zu entwickeln. „Adlershof ist ein einzigartig vernetzter Ort im Radius von 1.000 Kilometern“, unterstreicht Sillmann. „Wir wollen, dass aus dieser digitalen Infrastruktur heraus Impulse gesetzt werden. Unternehmen sollen zu konkreten Ideen inspiriert werden, aus denen dann wiederum Projekte und Produkte erwachsen. Dafür stellen wir ihnen in unserer ,a:head area‘ im Forum Adlershof einen digitalen Werkraum zur Erprobung von Use Cases zur Verfügung.“

Die großen Herausforderungen, sie können kommen. „Wenn man in dreißig Jahren auf die Entwicklung des Standortes zurückblicken wird“, wagt Sillmann eine Prognose, „dann wird man sehen, dass Adlershofer Köpfe maßgeblich dazu beigetragen haben werden, die ‚Grand Challenges‘ zu bewältigen. Die Zukunft wird deutlich besser werden, als pessimistische Menschen das heute wahrhaben wollen.“

Chris Löwer für Adlershof Journal