Eine Zukunft aus Licht: Der „iCampus Cottbus', ein Vorhaben zum Strukturwandel der Lausitz, hat auch für Adlershof viele Vorteile

04. Januar 2022

Eine Zukunft aus Licht

Der „iCampus Cottbus“, ein Vorhaben zum Strukturwandel der Lausitz, hat auch für Adlershof viele Vorteile

iCampus Cottbus: J. Panzer/H. Schenk © codiarts

Leiten das iCampus-Projekt in Cottbus: Jonas Panzer (rechts) und Harald Schenk © Ben Peters / codiarts.

Bernd Sumpf, FBH © WISTA Management GmbH

Bernd Sumpf vom Adlershofer Ferdinand-Braun-Institut © WISTA Management GmbH

Sie war die „Herz-Lungen-Maschine“ der DDR: Die Lausitz förderte einmal 200 Millionen Tonnen Kohle im Jahr. Etwa 100.000 Menschen verdienten damit ihren Lebensunterhalt. Spätestens 2038 soll Schluss sein mit dem Kohlebergbau, neue Ideen müssen her. Eine davon ist der Innovationskorridor Berlin – Cottbus, der auch für Adlershof eine große Chance ist.

Die Lausitz ist eine vom Ende der Kohleförderung besonders betroffene Region. Noch heute arbeiten etwa 25.000 Menschen im Umfeld der Kohlegewinnung und -verstromung. Die Zukunft der Lausitz soll nun unter anderem aus Licht gemacht werden.

„Als Cottbuser pendelt man zur Arbeit oft nach Berlin, Wildau, Zeuthen oder auch Adlershof“, weiß Jonas Pantzer. „Deshalb ist die Idee der Innovationskorridore sehr wichtig.“ Pantzer ist Projektmanager für den „iCampus Cottbus“ am Ende der Innovationsachse Berlin – Cottbus. Der Campus ist das erste Vorhaben im Sofortprogramm der Bundesregierung zum Strukturwandel der Kohleregionen.

Innovationskorridore sollen in Zukunft helfen, die Besiedelung des ländlichen Raums zu steuern, verkehrstechnisch sinnvolle Lösungen zu finden, vor allem aber den Transfer von Wissenschaft und Forschung innerhalb und außerhalb des Korridors voranzubringen. Im Fall der Lausitz weg von der Kohle, hin zum Licht. Denn die wissenschaftliche und wirtschaftliche Nutzung von Licht sowie die eng damit verknüpfte Mikrosystemtechnik gehören zu den wichtigsten Schlüsseltechnologien der Digitalisierung. Und deren Sinnesorgane sind Sensoren.

Der Ende 2019 gestartete Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik Cottbus – der iCampus – soll gemeinsam mit kleinen und mittleren Unternehmen der Region neue Sensorentwicklungen und Innovationen vorantreiben, diese in vermarktungsfähige Produkte und Leistungen umwandeln und so neue Perspektiven schaffen. Dafür haben sich die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) sowie Fraunhofer- und Leibniz-Institute im iCampus zusammengeschlossen. „90 Prozent der Wirtschaft innerhalb des Korridors sind Kleinunternehmen und Mittelständler“, erklärt Pantzer. „Solche Unternehmen haben kaum Zeit und Geld für eigene Forschung und Entwicklung. Hier kommt der iCampus ins Spiel.“

Mit dabei ist auch die Adlershofer Ferdinand-Braun-Institut gGmbH, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH), die an zwei der fünf Teilprojekte beteiligt ist – an der Entwicklung eines Applikationslabors „µ-Spektrum“ und eines Radarsystems für das Herz-Kreislauf-Monitoring im eigenen Zuhause. „Die Coronapandemie war ein Hemmschuh, aber nun sind wir dabei, uns in Cottbus auch physisch einzurichten“, erzählt Bernd Sumpf, Leiter des Laser Sensor Labs am FBH, dessen Team in Cottbus ein Applikationslabor für die Raman-Spektroskopie einrichtet.

Mit derartigen spektroskopischen Verfahren können Stoffgemische exakt analysiert und verschiedenste Substanzen nachgewiesen werden – dank einer Signatur, so typisch wie ein Fingerabdruck. Allerdings sind Raman-Signale relativ schwach und nur mit komplizierten Verfahren sichtbar zu machen. Die vom FBH entwickelte Methode soll sowohl Geräte verkleinern und vereinfachen als auch Kosten drastisch senken. Damit würde etwa die Messung von Beta-Carotin – u. a. wichtig für Aussagen über den Gesundheitszustand eines Menschen – vereinfacht. „Nun wird mit der Thiem-Research GmbH des Cottbuser Klinikums weitergeforscht“, erklärt Bernd Sumpf. „Mehrere Firmen aus der Region sind an den Ergebnissen und Kooperationen interessiert.“ Die hochwertige medizinische Versorgung im ländlichen Raum steht im Zentrum eines weiteren Projekts. Ziel ist die Entwicklung eines mobilen, kompakten und kontaktlosen Herzradars, um Patienten und Neugeborene medizinisch zu beobachten.

„Die Innovationsachse Adlershof – Cottbus ist ein Pilotprojekt“, sagt Jonas Pantzer. An der Achse sollen viele Kooperationen entstehen und auch Coworking-Spaces und Gründungszentren, die im Austausch genutzt werden können. Der iCampus ist für Pantzer eine Art Schaukasten. „Indem wir Projekte und Erfahrungen zeigen, helfen wir, Unternehmen an das Thema Hochtechnologie heranzuführen und Kooperationen nach außen zu tragen.“

Damit das Ganze gelingt, fiebert Pantzer dem zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Lübbenau – Cottbus entgegen. 2026 soll es soweit sein. Dann, so hofft er, wird es einen „Science Train“ geben, der Cottbus, Wildau, Zeuthen, den Flughafen und Adlershof schnell und einfach verbindet. Der Lausitz Science Park, ist Pantzer überzeugt, hat auch für Adlershof viele Vorteile. „Adlershof ist voll. Neuer Platz, leichte Erreichbarkeit und gut ausgebildete Fachkräfte – das ist auch für die Wissenschaftsstadt Adlershof sehr attraktiv.“  

Rico Bigelmann für POTENZIAL

Potenzial: Innovationskorridore
Potenzial – Das WISTA-Magazin. Ausgabe: Innovationskorridore 2022