Aktuelles

10. Januar 2023

Transfer in die Realität

Wie wollen wir in Zukunft leben? Mit dieser Frage beschäftigen sich in Berlin elf sogenannte Zukunftsorte. Einer davon ist Siemens Square

Versteht sich als Gastgeber für Zukunftsprojekte: Geschäftsführer des Werner-von-Siemens Centres, Erik Wiegard © Siemens AG

Das Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science e. V. als Forschungscampus und damit Herzstück der Siemensstadt hat inzwischen eine neue Aufbruchsstimmung kultiviert, die spannende Zukunftsfragen und Herausforderungen nicht nur diskutiert, sondern auch erfolgversprechende technologische Lösungsansätze und industrielle Roadmaps erarbeitet.

Das Werner-von-Siemens Centre (WvSC) ist die erste aktive Kooperation aus Wissenschaft und Industrie in der Siemensstadt. Wissenschaft und Industrie sollen hier Hand in Hand an innovativen Lösungen zu den Themen Digitalisierung, additive Fertigung und neue Materialien arbeiten und die „Innovationsgeschwindigkeit erhöhen“. Als gemeinnütziger Verein will das WvSC Trägerverein für Forschungsvorhaben in Berlin werden. Im Mittelpunkt stehen Technologien der Zukunft, um Innovationen für Produkte und Produktion zu entwickeln. Das Besondere: Forschung passiert hier direkt am Ort der Wertschöpfung. Ideen sollen unmittelbar in der Industrie Anwendung finden. Und weil neue Ideen und Technologien auch Berufsbilder verändern, werden die Forschungsergebnisse außerdem in Bildungs- und Qualifikationsangebote für die handelnden Personen übertragen.

Im Oktober 2018 hatten das Land Berlin, die Siemens AG, die Technische Universität Berlin, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) eine Vereinbarung unterzeichnet – mit dem Ziel, am Standort Siemensstadt einen Industrie- und Wissenschaftscampus zu entwickeln. Neue Professuren wurden eingerichtet, die konkret auf die Bedarfe der innovativen Fertigungsindustrie ausgerichtet sind und den Strukturwandel in der Produktion begleiten.

Entsprechend vielseitig sind die Aufgabenbereiche von Vereinsgeschäftsführer Erik Wiegard und seinem Team. Im Sommer 2019 offiziell an den Start gegangenen, fokussiert sich das Werner-von-Siemens Centre darauf, eine Forschungsplattform für Industriepartner, wissenschaftliche Einrichtungen und kleine mittelständische Unternehmen wie auch Start-ups zu bieten, auf der Kooperationen unter Labor- sowie Realbedingungen gemeinsam realisiert werden können. „Wir verstehen uns als Gastgeber“, erklärt Wiegard. „Forschungsprojekte dürfen nicht erst am Ende mit den Ergebnissen aus den Laboren kommen“, erläutert der gebürtige Westfale und Siemensianer. „Wir brauchen den Transfer in die Realität sehr viel früher und vor allem runtergebrochen auch auf den Mittelstand. Da kommen wir ins Spiel. Wir operieren sozusagen am offenen Herzen.“

Dazu habe sich inzwischen eine eigene Community an den drei Standorten des Centers in Moabit sowie am Rohr- und Nonnendamm gebildet, weiß Wiegard. Industriefirmen, mittelständische Unternehmen, Start-ups und Wissenschaftseinrichtungen mischen sich hier, forschen und arbeiten an dem, „was sie nutzen wollen“. Das sei teilweise Grundlagenforschung, aber immer an Marktbedürfnissen orientiert und durch die Vielseitigkeit der Beteiligten und der engen Verbindung von Forschung und Produktion mit „Realdaten“ validiert.

Als Teil der Siemensstadt Square – des jüngsten Berliner Zukunftsortes – ist das Centre Teil des Berliner Zukunftsorte-Verbundes. Auch hier sieht Wiegard enorme Chancen. „Es geht um Know-how-Synchronisierung. Es ist nicht hilfreich, wenn alle nur im eigenen Saft schmoren.“ Besonders mit dem Technologiepark Adlershof sei die Zusammenarbeit eng. „Wir schauen immer, wo es Überschneidungen gibt.“ Die gäbe es vor allem über die Technologiefelder wie Digitalisierung, neue Materialien, Mobilität und Energie oder innovative Produktionsmittel, zu denen bereits Technologiefeldtage stattfinden. Roland Sillmann, Chef der WISTA Management GmbH, sitzt im Beirat des Vereins; Firmen und Institute aus Adlershof – wie das Biotech-Start-up xolo oder die BAM – sind Mitglieder. „Wir gleichen Ziele ab, kurz- und langfristige. Ein Mapping für Blaupausen, die vielleicht auch andere Zukunftsorte nutzen können.“

Rico Bigelmann für POTENZIAL

Potenzial – Das WISTA-Magazin. Ausgabe: Zukunftsorte / Januar 2023