Laserleidenschaft am Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH)
Susann-Alice Seeger arbeitet an einer Lichtwaffe gegen Bakterien
Die winzigen Biester können sich in noch so tiefe Tiefen verkriechen. Sie haben keine Chance. Eine Glasfaser schiebt sich bis in entlegene Ecken von Nase oder Rachen, wo sie sich gerne aufhalten. Mit 210 Nanometern Wellenlänge pulst ein Lichtstoß durch das fadendünne Kabel und macht ihnen den Garaus.
So etwa lässt sich die Vision beschreiben, an deren Verwirklichung Susann-Alice Seeger arbeitet. Mit Kolleginnen und Kollegen am Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) entwickelt sie handliche, gerade mal smartphonegroße Lasermodule, deren violettes in ultra-violettes Licht umgewandelt wird. Es soll Bakterien und Viren den Tod bringen. „Noch wird das in der medizinischen Forschung untersucht“, sagt sie.
Gegen bakterielle Infektionen kennt die Heilkunde als letztes Mittel bisher Antibiotika. Das Problem dabei: Mittlerweile lassen sich viele Krankheitserreger von der chemischen Keule nicht mehr beeindrucken, weil sie dagegen resistent sind. Der freigiebige Einsatz antibiotischer Substanzen birgt zudem das Risiko, weitere Resistenzen zu züchten.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma soll das Projekt am FBH weisen, an dem Seeger mitwirkt. Das Forschungsinteresse gilt hier der Erzeugung ultravioletter Strahlung in kompakter Form. Dass solche Strahlen Keime töten können, ist kein Geheimnis. Je nach Wellenlänge können sie aber auch menschliches Gewebe schädigen. Die Frage lautet: Lässt sich die ultraviolette Strahlung in einer Form erzeugen, dass sie medizinisch nutzbar ist? „Unser Ziel ist“, sagt Seeger, „mit einer Laserquelle wie der unseren eine therapeutische Wirkung zu ermöglichen.“
Dass sie sich einmal beruflich mit solchen Themen befassen würde, hat Seeger als Schülerin nicht geahnt: „Ich war ziemlich schlecht in Mathematik.“ Das Interesse an Naturwissenschaften wuchs, nachdem sie eine Ausbildung zur Augenoptikerin abschloss und sich entschied, ein Studium der Optischen Gerätetechnik anzuschließen: „Die Anwendung von Physik und Mathematik kann richtig viel Spaß machen.“
Es gibt in Deutschland nicht allzu viele Bildungsstätten, die Optische Gerätetechnik im Lehrangebot haben. Eine davon ist die Technische Hochschule in Brandenburg an der Havel. Hier fand Seeger nicht nur einen Studienplatz, sondern auch den Einstieg ins Berufsleben. Den Ausschlag gab die Begegnung mit Katrin Paschke, Leiterin des Laser Module Lab am FBH, die einen Vortrag an ihrer Hochschule hielt. Seeger war davon dermaßen angetan, dass sie 2023 noch vor Abschluss ihres Studiums in Paschkes Adlershofer Arbeitsgruppe anfing.
Die Forschung zur Realisierung von UV-Strahlung, die gegen Infektionskeime eingesetzt werden kann, ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Technischen Universität Chemnitz. In Adlershof werden die dazu benötigten portablen Lasermodule ausgetüftelt. „Bei uns“, sagt Seeger, „geht es darum, zu zeigen, was technisch möglich ist.“ Seit 2025 läuft das Projekt, bis 2028 soll es nach Möglichkeit abgeschlossen sein.
Vor 28 Jahren im Rhein-Main-Gebiet geboren, führte Seegers Weg über Bayern und Brandenburg schließlich nach Adlershof, wo sie heute das inspirierende Umfeld unterschiedlicher Forschungseinrichtungen und Unternehmen schätzt.
Dr. Winfried Dolderer für Adlershof Journal
