Im Gleichtakt zum Erfolg
Zwei in Adlershof gewachsene Unternehmen beziehen eigene Domizile
Sie haben als Adlershofer Start-ups begonnen und beziehen jetzt als mittelständische Firmen eigene Domizile am Standort. Die Musik spielt für beide Gründer und Geschäftsführer aber längst nicht nur in der Unternehmerwelt.
„Nicht Posaune. Horn!“, korrigiert Ulrich Reineke, Mitgründer und Geschäftsführer der 3B Pharmaceuticals GmbH. Das Instrument wurde früh zur Leidenschaft. Er übte täglich, blieb als Teenager am Ball und nahm als frisch gebackener Biochemiestudent der Freien Universität Berlin teuren Unterricht bei einem Hornisten der Berliner Philharmoniker. Die Aufnahmeprüfung an der damaligen Hochschule der Künste (UdK) gelang. Fortan studierte Reineke Biochemie und Horn, das er später als Substitut in der Staatskapelle Berlin spielte und sein Studium damit finanzierte. Viele hätten sich am Ziel ihrer Träume gewähnt. Nicht Reineke. Mit einem Team aus Berlin, Bern und Basel gründete er vor 17 Jahren die 3B Pharmaceuticals, die sie seither vom Start-up zum international etablierten Theranostik-Spezialisten mit über 80 hochqualifizierten Beschäftigen aufgebaut haben. Die Kundenliste liest sich wie ein Who's who der Pharmabranche.
„Ich bespiele kein Instrument“, lacht Mohamad Abo Ras, CEO der Berliner Nanotest und Design GmbH. Mit 22 kam er 2001 aus Syrien nach Deutschland. Mit Unterstützung seiner Eltern und Gelegenheitsjobs hielt er sich bis zum Masterabschluss über Wasser, ging als wissenschaftlicher Mitarbeiter ans Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration – IZM, promovierte und trieb später das Spin-off Nanotest voran. Abo Ras war technischer Geschäftsführer. Als es vor einigen Jahren kriselte, übernahm er das Ruder und schaffte den Turnaround. Heute bedient Nanotest mit fast 50 hoch qualifizierten Beschäftigten namhafte Halbleiterkonzerne in den USA, Asien und Europa. Nebenher hat er noch etwas Großes aufgebaut: Eine Familie mit vier Kindern im Kita- und Schulalter. „Chefposten, Familie und Freundeskreis füllen mich voll aus“, sagt er.
Reineke und Abo Ras haben mehr als genug geschafft. Doch für beide kam zuletzt noch eine Mammutaufgabe hinzu: Ihre wachsenden Firmen brauchten neue Räume.
„Wir haben uns einige Mietobjekte angeschaut“, sagt Reineke. Deren bedarfsgerechter Umbau für 3B Pharmaceuticals wäre aber ähnlich teuer gekommen wie ein Neubau, der die Sicherheitsauflagen von vornherein erfüllt. Das Unternehmen entwickelt Peptide, mit denen sich kurzlebige, radioaktive Isotope in Tumore einschleusen lassen. Solche Radiopharmazeutika dienen als Marker einer bildgebenden Diagnostik, die auch im Körper verteilte Metastasen aufspürt. Außerdem unterstützen sie die Krebstherapie, indem sie die Tumore mit ionisierender Strahlung von innen heraus zerstören. Im Umgang mit diesen Substanzen muss das Unternehmen hohe Sicherheitsauflagen erfüllen. „Wir konnten von der WISTA ein passendes Grundstück in der Hermann-Dorner-Allee erwerben und bleiben damit Teil der Adlershofer Erfolgsgeschichte“, freut sich Reineke.
Auch Abo Ras hat für Nanotest einen neuen Firmensitz in Adlershof geplant und gebaut. Er spricht von einem Glücksfall, weil die Nähe zum Flughafen, zu den Hochschulen und qualifizierten Fachkräften für sein global agierendes Unternehmen wichtig ist. Fast zwei Drittel der zuletzt 8,5 Millionen Euro Umsatz macht es in den USA, den Rest in Asien und Europa. Dort entwickeln und produzieren die Kunden von Nanotest und brauchen dafür die speziellen Chips der Adlershofer. Die erlauben es als Hardware-in-the-Loop, thermische Eigenschaften moderner Mikrochips zu simulieren. Wo hunderte Milliarden Transistoren auf der Fläche eines Fingernagels arbeiten und Leiterbahnen wenige Nanometer messen, wird das Wärmemanagement entscheidend. „Mit steigender Leistungsdichte werden unsere Aufgaben komplexer und vielfältiger“, sagt Abo Ras. Daher rechne er mit weiterem Wachstum. Ob das auch für seine Familie gilt, verrät er nicht.
Peter Trechow für Adlershof Journal

