Beziehungsarbeit
Wie das ST3AM-Community-Management Innovationsgemeinschaften aufbaut
Wer die ST3AM-Workspaces betritt, wird sofort eingenommen von den hellen, warm gestalteten Räumlichkeiten. Ein Ort, der konzentrierte Arbeit möglich macht – und spontane Begegnungen befördert. Doch für die WISTA-Mitarbeitenden Elizabeth „Liz“ Anderson und Lucas Todesco geht es um mehr als eine angenehme Arbeitsumgebung.
Die beiden sind fürs Community Management tätig in den ST3AM-Arbeitswelten, die es zweimal in Berlin gibt: im Technologiepark Adlershof und im Ludwig Erhard Haus in Charlottenburg mit dem New Work ST3AM by IHK & WISTA. Ihr Job besteht nicht nur darin, Räume zu organisieren oder Mieterinnen und Mieter zu betreuen. Sie versuchen, etwas aufzubauen, das sich nur schwer planen lässt: eine funktionierende Innovationsgemeinschaft, in der Menschen aus unterschiedlichen Branchen und mit verschiedenen Perspektiven zusammenkommen und dabei auf Gedanken stoßen, auf die sie allein vielleicht nie gekommen wären. Dass Anderson und Todesco heute genau diese Aufgabe haben, ist kein Zufall. Auch wenn ihre Wege dorthin recht unterschiedlich waren.
Anderson stammt aus den USA und lebt seit rund 15 Jahren in Deutschland. Lange arbeitete sie als Lehrerin für Englisch und Geschichte. Erst später wechselte sie in die Unternehmenskommunikation. Dort stellte sie fest, was ihr eigentlich am meisten Spaß macht: Menschen miteinander zu verbinden. „Ich habe gemerkt, dass ich es liebe, interne Netzwerke aufzubauen und Verbindungen zu schaffen“, sagt sie. „Beziehungen waren schon immer mein Ding.“
Todesco kam aus Brasilien zum Studium nach Deutschland und blieb schließlich in Berlin. Seine Karriere begann in der Start-up-Szene. Neben seiner eigentlichen Arbeit übernahm er immer häufiger Aufgaben rund um Events, Onboarding und Unternehmenskultur. Irgendwann wurde daraus eine eigene Rolle: People Experience Manager. „Es ging um alles, was definiert, wie sich Arbeiten in einem Unternehmen anfühlt“, sagt Todesco. Später wechselte er in die Welt der Coworking-Spaces. In Adlershof ergab sich schließlich die Möglichkeit, diesen Ansatz auf die nächste Ebene zu heben – von der Unternehmenskultur einzelner Firmen hin zu einer Community aus vielen verschiedenen Einrichtungen.
Bei ST3AM steht genau diese Gemeinschaft im Mittelpunkt. Die Räume bilden den Rahmen. Entscheidend ist, wie Menschen darin zusammenarbeiten.
Anderson interessiert sich besonders für Kommunikation und Zusammenarbeit. Schon kleine Veränderungen, sagt sie, können Teams beeinflussen. Ein Beispiel: Statt auf eine Idee reflexartig mit einem „aber“ zu reagieren, ist es möglich, „gleichzeitig“ zu sagen. Der Inhalt bleibt ähnlich, doch die Wirkung verändert sich. Die Idee wird nicht blockiert, sondern weitergeführt. „Solche kleinen Methoden helfen Teams, besser zusammenzuarbeiten“, sagt Anderson.
Hilfreich sind auch sogenannte Nudges – kleine Impulse, die Verhalten in eine bestimmte Richtung lenken. Die Idee stammt aus der Verhaltensökonomie. Übertragen auf Arbeitsräume bedeutet das: Situationen so zu gestalten, dass Zusammenarbeit fast automatisch entsteht.
Das Grundkonzept ist an beiden Standorten gleich. Trotzdem unterscheiden sich die Orte deutlich – vor allem durch ihr Umfeld. Adlershof gilt als einer der größten Wissenschafts- und Technologieparks Deutschlands. Die Humboldt-Universität zu Berlin, Forschungsinstitute und technologieorientierte Start-ups prägen die Umgebung. Hier geht es um Ausprobieren, Entwicklung, den Bau von Prototypen. Zwei Makerspaces bieten Raum für genau solche Projekte. New Work ST3AM by IHK & WISTA in Charlottenburg hat eine andere Perspektive. Dort treffen Gründerinnen und Gründer stärker auf wirtschaftliche Netzwerke, Verbände oder politische Akteure.
Trotz dieser Unterschiede folgen beide Orte denselben fünf Prinzipien: Fokus, Kollaboration, Wohlbefinden, Prototyping sowie Lernen und Wachstum. Sie bilden gewissermaßen die Struktur.
„Wir wollen nicht, dass jemand hierherkommt, den Laptop aufklappt, arbeitet und wieder nach Hause geht“, sagt Todesco. Deshalb entwickeln Anderson und Todesco Formate, die Begegnungen ermöglichen: Workshops, Netzwerkveranstaltungen oder gemeinsame Community-Lunches. Momente also, in denen Menschen ins Gespräch kommen, ohne dass daraus sofort ein Projekt entstehen muss. Eine weitere Idee sind sogenannte Challenges.
Mehrere Unternehmen arbeiten gemeinsam an neuen Ansätzen – nicht unbedingt mit dem Ziel eines fertigen Produkts, sondern um kreatives Denken anzustoßen. „In unserer Gesellschaft sind viele Menschen sehr risikoavers“, sagt Anderson. Eine Community aufzubauen, bedeutet deshalb auch, Vertrauen zu schaffen.
Rico Bigelmann für Potenzial
ST3AM Arbeitswelten - WISTA Management GmbH
