Wie managt man einen Coworking Space?: Im Gespräch mit Marina Salmon, die neben dem WISTA-Coworking-Space auch die Adlershofer Lange Nacht und den Science Slam betreut

08. Januar 2020

Wie managt man einen Coworking Space?

Im Gespräch mit Marina Salmon, die neben dem WISTA-Coworking-Space auch die Adlershofer Lange Nacht und den Science Slam betreut

Marina Salmon © WISTA Management GmbH

Marina Salmon ist genauso entschlossen wie der Löwe, den sie in ihrer Freizeit gemalt hat © WISTA Management GmbH

Im WISTA-Coworking-Space in der Rudower Chaussee 17 hat sie den Hut auf. Mit dessen Gründung im November 2017 hat Marina Salmon auch Neuland betreten. Der erste Coworking Space im Technologiepark – wie managt man so etwas, fragte sich die ausgebildete Betriebswirtin. Learning by doing. Die Bilanz nach zwei Jahren: 50 Unternehmensgründungen, 20 Einzelpersonen und 14 Gründerteams wurden von ihr und Ralph Langanke betreut. Wie sehr Marina Salmons Herzblut in dem Projekt steckt, merkt man auch, wenn sie mit Begeisterung über die Mieter spricht, für die sie immer ein offenes Ohr hat. Für Organisatorisches hat sie sowieso ein Händchen, verantwortet sie doch zusätzlich die „Lange Nacht der Wissenschaften“ und den Science Slam „Battle den Horst“ in Adlershof. Zum Akku auftanken zieht sich die Powerfrau in ihren Schrebergarten zurück. Ab und zu gibt es für die Coworker daraus dann auch mal einen Erntehappen als Kostprobe.

Gibt es den typischen Adlershofer Coworker?

Das lässt sich nicht pauschalisieren, die Bandbreite reicht vom Studenten bis zum über 70-jährigen Professor und Mehrfachgründer.

Machen Sie bitte trotzdem einen Charakterisierungsversuch ...

Jemand mit einer Idee aus dem naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich, bereit zum Sprung in die Marktwirtschaft, um die 25 Jahre jung, neugierig, wissenshungrig und fasziniert vom Technologiepark Adlershof und den Kooperationsmöglichkeiten. Kreative und Freelancer sind der kleinere Teil unserer Nutzer.

Können Sie Beispiele nennen?

Da fallen mir spontan die Orthesenspezialisten Tino Jacobi und Leonardo Lauer von Think3DDD ein. Die ehemaligen Jugend-forscht-Teilnehmer entwickeln jetzt individuelle und kostengünstige, weil per 3D-Druck hergestellte Stützmanschetten für Mensch und Tier zur Behandlung von Arthrose, Knochenbrüchen und vielem mehr. Oder Patrick Herholz, der am Campus der Humboldt-Universität Informatik studiert hat, heute Mitgründer der Firma Easy Memory Item ist und eine Trainingsapp für Piloten geschrieben hat. Sie ermöglicht ein effizientes Training und wird in Asien bereits erfolgreich eingesetzt.

Was schätzen Ihre Mieter besonders?

Vielen ist es wichtig, einen festen Platz zu haben. Sie schätzen unser „Sorglos-Paket“, das wir drum herum schnüren. Es fängt mit der Büroausstattung an, geht über Workshops zu gründerrelevanten Themen bis zum gemeinsamen Mittagessen. Am wertvollsten jedoch ist der Austausch der Coworker – sie helfen sich gegenseitig, keiner ist ausgegrenzt. Sie sehen sich nicht als Konkurrenten.

Wie viele Mieter haben Sie?

Momentan sind 25 der 42 Plätze vermietet. Die meisten Mieter kommen aus Treptow-Köpenick.

Wie lange bleiben die Coworker? Was kostet ein Platz?

Die durchschnittliche Mietdauer liegt zwischen acht und zehn Monaten. Aber auch Tagesplätze werden gebucht. Die Mietkosten beginnen bei 200 Euro monatlich für einen flexiblen Arbeitsplatz, ein Tagesticket kostet 25 Euro.

Mittlerweile sind in der Wissenschaftsstadt Adlershof weitere Coworking Spaces angekündigt, etwa beim „Future Living“-Projekt oder im Bürokomplex „Brain Box Berlin“. Sehen Sie darin Konkurrenz oder Ergänzung?

Es gibt erste Gespräche mit anderen Anbietern, wie wir zukünftig kooperieren können. Beispielsweise haben wir für Mieter, die Maschinen und andere Hardware bei uns aufstellen wollen, keinen Platz. Dafür punkten wir beim Netzwerken, weil wir die Wissenschaftler und Unternehmer im Technologiepark gut kennen. Daher bin ich optimistisch, dass wir auch in Zukunft gut nachgefragt sein werden.

Ihre erste Begegnung mit Adlershof?

Meine Eltern wohnen im Kiez Adlershof. Ich bin hier aufgewachsen. Als Schülerin war ich im Kunstturnen in einer Sporthalle an der Rudower Chaussee. Auch kannte ich das alte Ärztehaus. Heute steht dort das Technologiezentrum für IT und Medien. Dennoch: Als ich mich 2001 als Auszubildende bei der WISTA Management GmbH bewarb, war ich eigentlich das erste Mal bewusst auf dieser Seite des Adlergestells.

Wann haben Sie zuletzt etwas Neues gemacht?

Meine Schwester hat mich überredet, mit ihr zur ArtNight zu gehen. Unter Anleitung eines Künstlers kreiert man dort in zwei bis drei Stunden Schritt für Schritt sein eigenes Kunstwerk. Zum Glück braucht man dafür keine Vorkenntnisse, denn Zeichnen gehört nicht zu meinen Stärken. Wir haben immer viel Spaß dabei und die Ergebnisse können sich auch sehen lassen.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Mein Mann und ich haben einen Schrebergarten, da pflanze, jäte und ernte ich Obst und Gemüse. Tomaten, Bohnen, Peperoni, Pflaumen oder Johannisbeeren, die nicht gleich vernascht werden, koche ich ein. Familiensport gibt es gemeinsam mit meiner Schwester und Mutter wöchentlich unter Anleitung meines Schwagers, der einen Fitnessschein hat. Ansonsten gehe ich regelmäßig joggen, lese viel, höre Musik.

Das Interview führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal