Wettbewerbe im richtigen Moment
Joanna Czarnecka, Gründerin der Zixio GmbH spricht mit CHIC! über die Relevanz von Förderformaten für junge Unternehmen
Preise und Förderprogramme können jungen Start-ups Türen öffnen, kosten aber auch Zeit und Ressourcen. Welche Rolle sie je nach Unternehmensphase spielen, zeigt das Beispiel der Zixio GmbH.
Joanna Czarnecka kennt die Welt der Pitches, Wettbewerbe und Förderprogramme gut. Bevor sie Zixio ins Leben rief, war sie Mitgründerin des Start-ups Mablo und sammelte dort erste Erfahrungen mit verschiedenen Formaten. Das Berliner Startup Stipendium war für das junge Team ein wichtiger Schritt. Es verschaffte ihnen ein Jahr Zeit, um ihr Produkt weiterzuentwickeln, Kontakte zu knüpfen und sich beraten zu lassen. Heute ist ihre Perspektive eine andere. Mit Zixio setzt Joanna auf eigenfinanziertes Wachstum, Kundenprojekte und Profitabilität. Wettbewerbe spielten dabei jahrelang kaum eine Rolle.
„Ob Wettbewerbe zu einem Gründer passen, ist eine sehr persönliche Entscheidung“, sagt sie. „Es hängt auch davon ab, was das Unternehmen in seiner jeweiligen Phase tatsächlich braucht.“ Was einem jungen Start-up Türen öffnet, kann später vor allem Zeit kosten. Und manchmal verändert sich diese Rechnung erneut. Denn inzwischen wird für Zixio ein Thema wichtiger, das Wettbewerbe ebenfalls bieten können: Sichtbarkeit.
Pitchen, lernen, ausprobieren
Als Joanna mit Mablo gründete, gehörten Wettbewerbe für sie zunächst ganz selbstverständlich zum Start-up-Alltag. „Wir waren damals sehr unbekannt und hatten keinen Zugang zu Experten“, erinnert sie sich. Pitches boten die Möglichkeit, Feedback zu bekommen, Kontakte zu knüpfen und die eigene Idee immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. „Jeder Pitch war ein bisschen wie eine Probe für die Idee: Macht sie Sinn oder nicht?“
Besonders wertvoll war für das junge Team das Berliner Startup Stipendium. Ein Jahr lang konnten die Gründenden an ihrer KI-Lösung arbeiten, ein Team aufbauen und sich von Coaches und Experten begleiten lassen. „Das war für uns extrem wichtig“, betont Joanna. „Die Fähigkeiten, die wir damals gelernt haben, wenden wir bis heute an.“ Für sie zeigt das zugleich: Wettbewerb ist nicht gleich Wettbewerb. Entscheidend sei, was neben einer möglichen Auszeichnung tatsächlich angeboten werde.
Anders fiel ihre Erfahrung mit einem klassischen Businessplan-Wettbewerb aus. Dort mussten umfangreiche Unterlagen eingereicht und ein vollständiger Businessplan ausgearbeitet werden. Für Joanna stand der dafür nötige Zeitaufwand am Ende nicht im Verhältnis zum möglichen Nutzen. „Es war ein bisschen wie Lottospielen“, sagt sie. Gerade in einer frühen Unternehmensphase könne die investierte Zeit an anderer Stelle wertvoller sein. „Man muss mit den Menschen reden, die es betrifft, nicht nur mit Juroren.“
Wachstum aus eigener Kraft
Heute führt Joanna gemeinsam mit Andreas Salzmann die Zixio GmbH. Das Unternehmen entwickelt Software vor allem für regulierte Bereiche wie Medizin, Pflege und Pharma und arbeitet inzwischen auch wieder an eigenen KI-Lösungen. Anders als viele klassische Start-ups finanziert sich Zixio vollständig aus eigener Kraft. „Wir haben keine Kredite, wir haben keine Investoren“, erzählt Joanna. „Wir schreiben seit dem ersten Monat schwarze Zahlen.“
Damit verschoben sich auch die Prioritäten. Statt Wettbewerbe zu suchen, konzentrierten sich die Gründenden auf Kunden, Projekte, Profitabilität und den Aufbau ihres Teams. Joanna erinnert sich: „In dem Moment, wo wir auf eigenen Füßen standen, waren das unsere Ziele.“ Wettbewerbe boten ihnen auf diesem Weg schlicht keinen ausreichenden Mehrwert. Für ein Softwareunternehmen wie Zixio sei es möglich gewesen, mit überschaubarem Kapitaleinsatz zu starten und aus ersten Aufträgen weiterzuwachsen.
Joanna betont allerdings, dass sich diese Erfahrung nicht verallgemeinern lässt. Wer zunächst einen teuren Prototypen bauen muss oder ohne externe Finanzierung gar nicht testen kann, ob ein Produkt funktioniert, steht vor einer völlig anderen Situation. Für solche Start-ups könnten Wettbewerbe, Stipendien und Förderprogramme entscheidend sein, um überhaupt die nötigen Mittel und Aufmerksamkeit zu bekommen. „Für uns hat es sich nicht gelohnt“, sagt sie. „Aber für andere kann es der einzige Weg sein.“
Wenn Sichtbarkeit wichtiger wird
Inzwischen verändert sich die Lage erneut. Zixio ist gewachsen, steht wirtschaftlich auf sicheren Beinen und will mit eigenen Produkten stärker nach außen treten. Damit wird Sichtbarkeit zu einem Thema, das lange kaum eine Rolle spielte. „Heute würde uns ein Wettbewerb vor allem wegen der Anerkennung und der Sichtbarkeit interessieren“, sagt Joanna.
Für sie schließt sich damit ein Kreis. Wettbewerbe sind weder grundsätzlich hilfreich noch grundsätzlich überflüssig. Ihr Wert hängt davon ab, was ein Unternehmen gerade braucht. Für Zixio waren sie erst wichtig, dann lange verzichtbar und könnten nun wieder interessant werden.
Kai Dürfeld für CHIC!
