Vom Rieselfeld zum Zukunftsort: Nadja Zivkovic, Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen in Marzahn-Hellersdorf, zu den Plänen des CleanTech Business Park Marzahn (CBP)

31. August 2020

Vom Rieselfeld zum Zukunftsort

Nadja Zivkovic, Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen in Marzahn-Hellersdorf, zu den Plänen des CleanTech Business Park Marzahn (CBP)

Nadja Zivkovic © WISTA

Nadja Zivkovic, Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Marzahn-Hellersdorf © WISTA Management GmbH

Gewerbepark Marzahn © WISTA

Wer an Marzahn denkt, denkt an den WBS 70, Plattenbausiedlungen und eine alte Bewohnerschaft?

Nadja Zivkovic: Das sind alle Vorurteile, die man zu Marzahn mitbringen kann. Wer Marzahn-Hellersdorf etwas kennt, denkt nicht nur an den WBS 70, die Geschossbauten oder Großsiedlungen im Norden, sondern genauso an Europas größtes Einfamilienhausgebiet mit Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf oder die Gärten der Welt. Dennoch, der Sprung im Image – aufstrebender Bezirk, Bezirk, der am schnellsten altert – der ist da. Im letzten Jahr hat der Bezirk Marzahn-Hellersdorf 40. Geburtstag gefeiert und jene, die damals eingezogen sind, sind auch mit dem Bezirk alt geworden. Aber gleichzeitig hat Marzahn-Hellersdorf 1.200 Hektar Grünfläche. Hier lässt es sich – im Vergleich zur Mitte Berlins – noch relativ günstig und sehr grün leben. Das zieht junge Familien an – ins Einfamilienhaus oder auch in die Platte. Wir merken das an den Schulplatzzahlen, da werden wir überrannt.

Was war hier vorher?

Ursprünglich die Rieselfelder der Kläranlage Falkenberg. Irgendwann stieg der Bedarf an Platz für Fertigungsanlagen in Berlin. Die Idee, aus den Rieselfeldern ein Gewerbegebiet zu entwickeln, kam auf. Mit Fördergeldern wurde das Gebiet dann ertüchtigt. Die 90 Hektar sind das größte zusammenhängende Areal für produzierende Unternehmen in Berlin. Sie unterteilen sich in zwei Bereiche: einer im Eigentum der Berliner Wasserbetriebe und einer, der dem Land Berlin gehört.

90 Hektar für produzierende Unternehmen mit Potenzial für eine der wesentlichen Zukunftsbranchen. Wer soll sich hier ansiedeln?

Wenn ich Unternehmen im Bezirk besuche, stelle ich fest, dass 40 Prozent der Belegschaft aus Marzahn-Hellersdorf kommen. Kurze Arbeitswege machen glücklich. Das ist etwas, was der Bezirk weiter vorantreiben will: Unternehmen ansiedeln, die auch für die Bewohnerschaft interessant sind. Daher entstand auch die Idee, Unternehmen anzusiedeln, die mit sauberen Technologien nachhaltige Produkte herstellen. Unternehmen, die zukunftsfähig und nicht in zehn Jahren wieder verschwunden sind.

Die Vermarktung war bislang schwierig. Warum?

Wir haben 2016 mit der Vermarktung begonnen, mit zwei sehr engagierten Beschäftigten. Das trug jedoch nicht die gewünschten Früchte. Das Tagesgeschäft einer Wirtschaftsförderung ist nicht hauptsächlich die Flächenvermarktung. Deshalb hat das Bezirksamt im Sommer 2019 beschlossen, die Vermarktung an die WISTA Management GmbH und ihre Tochter WISTA.Plan zu übergeben. Die Zusammenarbeit ist seit Anbeginn sehr gut und seit Jahresbeginn agieren wir auch so, dass die WISTA die Vermarktung maßgeblich hat und mit der Wirtschaftsförderung konstruktiv Hand in Hand arbeitet.

Was versprechen Sie sich davon?

Da ist zum einen die Erfahrung der WISTA in Adlershof und auch an anderen Zukunftsorten. Zum anderen werden wir durch die WISTA präsenter und profitieren von ihren Kontakten. Unsere bisherigen Erfahrungen sind diesbezüglich sehr gut.

Ihre Webseite verspricht ein inspirierendes und einzigartiges Umfeld. Wie sieht das aus?

Einer der Vorteile der Zusammenarbeit mit der WISTA ist, dass wir einer der Berliner Zukunftsorte sind. Im vergangenen Jahr haben wir einen Profilierungsprozess durchlaufen, was sehr wertvoll für uns war. Das Berliner Zukunftsorte-Team um Julia Neuhaus hat mit uns den Standort analysiert. Das führte unter anderem zu dem gemeinsamen Ziel, hier eine Hochschuleinrichtung anzusiedeln, woran wir nun intensiv arbeiten. Eine weitere entscheidende Änderung war der Verzicht auf die ursprüngliche Festlegung, ausschließlich Grundstücke ab zehn Hektar zu verkaufen oder zu verpachten. Das wir jetzt wieder wesentlich kleinere Grundstücke anbieten können, entspricht eher den Wünschen potenzieller Kunden.

2011, also vor fast zehn Jahren, ist die Idee entstanden, wenn Sie noch mal zehn Jahre in die Zukunft schauen, wo ist der CBP dann?

Die Boxberger Straße nebenan ist ein gutes Beispiel. Vor zehn Jahren waren da noch sehr viele Freiflächen. Heute haben sich dort 39 Unternehmen angesiedelt. Unser Vorteil im CleanTech Business Park ist, dass die Flächen zum Teil noch käuflich erworben werden können. Die Liegenschaftspolitik des Landes Berlin bevorzugt Erbbaupacht – hier zum Glück mit 65 Jahren Laufzeit. Die Flächenknappheit in Berlin spricht für uns, trotz oder gerade wegen der Außenbezirkslage.

Das Interview führte Rico Bigelmann für Potenzial – Das WISTA-Magazin

 

CLEANTECH BUSINESS PARK MARZAHN (CBP)

  • Größe: 90 Hektar
  • Betreiber (ab Oktober 2020):

    WISTA Management GmbH
    Rudower Chaussee 17, 12489 Berlin
    Tel. +49 30 6392-2200
    Fax: +49 30 6392-2201
    pr@wista.de
  • Vermarktung:

    Katerina Malinski
    WISTA.Plan GmbH
    Rudower Chaussee 19, 12489 Berlin
    Tel. +49 30 6392-3918
    Fax: +49 30 6392-3901
    malinski@wista-plan.de
Potenzial: CleanTech Business Park Marzahn
Potenzial – Das WISTA-Magazin. Ausgabe CleanTech Business Park Marzahn 2020