Raus aus dem Datenchaos
Das CHIC-Start-up CaseWhen erzeugt aus anfallenden Daten verlässliche Reportings und berät Unternehmen, wie sie diese selbst pflegen
Unternehmen sammeln immer mehr Daten. Doch daraus entstehen nicht automatisch bessere Entscheidungen. Wie sich Informationen aus verschiedenen Quellen in verlässliche Kennzahlen verwandeln lassen, zeigt das Beispiel von CaseWhen.
Drei Excel-Listen, drei unterschiedliche Umsatzzahlen und niemand weiß so recht, welche stimmt. Genau solche Situationen kennt Sajagan Thirugnanam gut. „Du hast einen Haufen Daten angesammelt, aber bisher keine Antworten“, sagt der Mitgründer von CaseWhen. Genau an dieser Stelle setzt das Berliner Unternehmen an: Es führt Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen und bereitet sie so auf, dass daraus verlässliche Kennzahlen und übersichtliche Dashboards in Microsoft Power BI entstehen, die Entscheidungen im Alltag erleichtern.
Verstehen, verbinden, übergeben
Bevor CaseWhen Daten zusammenführt, versucht das Team erst einmal zu verstehen, was ein Unternehmen eigentlich wissen will. Dafür sprechen die Beratungsexperten mit den jeweiligen Abteilungen und klären, wie dort Erfolg gemessen wird. Erst daraus entstehen die Kennzahlen, die später im Reporting auftauchen. „Das Wissen steckt jeweils in den Köpfen“, sagt Saju. Die technische Aufgabe beginnt also erst, wenn klar ist, welche Fragen beantwortet werden sollen.
CaseWhen arbeitet dabei grundsätzlich branchenübergreifend, hat inzwischen aber Schwerpunkte in der Immobilienwirtschaft und der produzierenden Industrie entwickelt. Dort ähneln sich viele Kennzahlen und Datenprobleme.
Im nächsten Schritt werden die Informationen aus den verschiedenen Systemen gebündelt. Das können ERP-Systeme, Tracking-Daten oder auch zahlreiche Excel-Dateien sein. Statt sofort ein riesiges Data Warehouse aufzubauen, startet das Team lieber mit einem konkreten Anwendungsfall und erweitert das System Schritt für Schritt. So soll das Reporting von Anfang an verlässlich bleiben und nicht schon überholt sein, bevor das Projekt überhaupt abgeschlossen ist. Zum Schluss kommt für Saju ein entscheidender Punkt: Wissenstransfer. Die Beschäftigten sollen die Reports später möglichst selbst anpassen und weiterentwickeln können. „Unser Ansatz ist, dass wir uns aus dem Projekt herausarbeiten, sodass wir irgendwann nicht mehr notwendig sind.“ Schulungen gehören deshalb fest dazu. Sonst, sagt Saju, entstehe schnell ein „Reportfriedhof“ mit Auswertungen, die niemand mehr pflegen kann.
Vom Excel-Topf zur Beratung
Sajus Weg in die Business Intelligence begann ziemlich unspektakulär: mit sehr viel Excel. Nach seinem Studium der internationalen Betriebswirtschaftslehre arbeitete er bei flaconi im Business Development und beschäftigte sich dort immer stärker mit Datenanalyse. „Ich bin gefühlt als Kind in den Excel-Topf gefallen“, sagt er lachend. Irgendwann stieß Excel an seine Grenzen, Datenbanken wurden wichtiger und Saju rutschte immer tiefer in die Welt der Business Intelligence.
Später machte er sich als Freelancer selbstständig und lernte bei einem Projekt Austin Levine, seinen heutigen Mitgründer, kennen. Die beiden verstanden sich fachlich und menschlich auf Anhieb. Als sie sich etwa ein Jahr später wiedertrafen, war eigentlich nur ein Gespräch über Freelancing geplant. „Innerhalb der ersten halben Stunde haben wir uns darauf geeinigt, zusammen eine Beratungsfirma zu gründen“, erinnert sich Saju.
Auch bei der Arbeit merkten die beiden schnell, dass sie ähnlich ticken. Empathie, eine direkte Kommunikation und ein gutes menschliches Miteinander wurden deshalb früh zu wichtigen Bestandteilen von CaseWhen.
Raum für Menschen
Inzwischen verstärken zwei festangestellte Beratende und ein Pool an Freelancern das Team. Mit dem Wachstum wurde auch die Frage nach dem passenden Arbeitsumfeld wichtiger. CaseWhen entschied sich bewusst für das CHIC, weil das Team wieder stärker Teil einer Community sein wollte. Der unkomplizierte Austausch, Veranstaltungen und die Nähe zu anderen Unternehmen gaben dabei den Ausschlag.
Auch intern spielt das Miteinander eine große Rolle. CaseWhen arbeitet seit Beginn mit einer Vier-Tage-Woche und legt viel Wert darauf, dass Kunden und Mitarbeitende menschlich zueinander passen. Wie weit sich diese Idee noch treiben lässt, wollen die Gründer weiter ausprobieren.
Gleichzeitig soll KI künftig mehr Routinetätigkeiten übernehmen. Nicht, um einfach noch mehr Arbeit in dieselbe Zeit zu pressen, sondern damit Menschen sich stärker auf das konzentrieren können, was Maschinen schlechter beherrschen: Gespräche, Abstimmung und Zusammenarbeit. „Die meisten Projekte scheitern nicht an der technischen Umsetzung“, sagt Saju, „sondern an den Dingen, die zwischen Menschen in der Kommunikation verloren gehen.“
Kai Dürfeld für CHIC!
