Pflege, Prävention und Arbeitsalltag vereinen
Wie Beratung und betriebliche Gesundheitsförderung Beschäftigte in herausfordernden Lebensphasen begleiten
„Wir wollen mit aktuellen Entwicklungen Schritt halten“, sagt Jennifer Selbmann, Kundenberaterin der Techniker Krankenkasse (TK) in Adlershof. Eine davon ist der steigende Pflegebedarf in Deutschland. Mit dem demografischen Wandel wächst die Zahl pflegebedürftiger Menschen deutlich und immer mehr Berufstätige suchen nach Lösungen, um die Betreuung von Angehörigen mit ihrem Arbeitsalltag zu vereinbaren.
Der zeitliche Aufwand für die Betreuenden ist groß und der emotionale Druck ebenso. Fachkundige Beratung und Ausgleich finanzieller Lücken helfen hier. „Unsere Beratungsstelle kann selbstverständlich von jeder Person aufgesucht werden, für eine vollumfängliche Beratung sollten sich Hilfesuchende an ihre jeweilige Kasse wenden“, sagt Selbmann. Nicht selten müsse sehr kurzfristig Hilfe für die Erkrankten gefunden werden. Auch das Angebot, an einer Pflegeschulung teilzunehmen, werde von den Betreuenden gerne angenommen. Wenn die Umstände es erfordern, kann auch direkt zu Hause geübt werden, etwa die optimale Sanitär- und Körperpflege.
„Wichtig ist es, dass die Angehörigen schnell erfahren, wo sie Hilfe anfordern können“, betont Selbmann. Die Möglichkeit, sich von der Arbeit teilweise freistellen zu lassen, in welchem Umfang und für wie lange, seien oft nicht ausreichend bekannt. Dabei besteht ein Anspruch auf unbezahlte Freistellung für bis zu zehn Arbeitstage pro Kalenderjahr. Wenn dieser Zeitraum für die Pflege der Erkrankten nicht ausreicht, dürfen Angehörige sich auch länger freistellen lassen - maximal bis zu sechs Monate innerhalb von zwei Jahren. Zudem müssen mindestens 15 Stunden pro Woche gearbeitet werden.
„Ich erlebe, dass das Thema Eigeninitiative in der Pflege durchaus sensibel ist“, sagt Selbmann. Manche Angehörige äußerten die Sorge, dass sich ein individueller Pflegeeinsatz zu sehr finanziell auswirken könne. Dennoch sei es möglich, finanzielle Einbußen abzufedern. So können pflegende Angehörige Pflegeunterstützungsgeld erhalten, wenn sie kurzfristig beruflich aussetzen müssen, um eine akut aufgetretene Situation zu organisieren. Darüber hinaus kann ein zinsloses Darlehen des Bundes beantragt werden, mit dem sich Einkommensverluste während der reduzierten Arbeitszeit zumindest teilweise überbrücken lassen. Zum Teil ergänzen auch Arbeitgeber während der Pflegezeit das Gehalt und leisten so zusätzliche Unterstützung. Bei plötzlich eintretenden Pflegesituationen müssen sich Angehörige um vieles gleichzeitig kümmern – organisatorisch, finanziell und persönlich. „Die Krankenkassen bemühen sich, den Betroffenen bestmöglich zur Seite zu stehen – mit Informationen, individuellen Beratungsangeboten und weiteren Hilfen, so dass sich Pflege und eigene Lebenssituation besser miteinander vereinbaren lassen“, sagt Selbmann.
Neben Beratung ist Prävention ein wichtiger Baustein zur Unterstützung Berufstätiger. Im Technologiepark bieten Techniker Krankenkasse und WISTA Management GmbH mit dem „Gesundheitsnetzwerk Adlershof“ (GNWA) den Mitarbeitenden Adlershofer Unternehmen und wissenschaftlicher Einrichtungen Angebote zur ganzheitlichen Vorsorge. Die kostenfreien Kurse, Workshops und Vorträge umfassen die unterschiedlichsten Bereiche und Lebensphasen und haben mehrheitlich einen beruflichen Kontext. Schwerpunkte sind unter anderem Regeneration und Resilienz, Umgang mit modernen Arbeitsformen und zunehmende Digitalisierung.
Die mehrmals im Jahr stattfindende „Digital Health Week“ kümmert sich beispielsweise während live angeleiteter und interaktiver Online-Workshops um ganzheitliches Stressmanagement, Augen-Yoga, Rückenfitness oder eine zyklusbewusste Lebensweise. Themen sind ebenso Impulse zu den Wechseljahren, zu Männergesundheit oder gesundem Altern, die direkt in den Arbeitsalltag integriert werden können.
Dr. Paul Janositz für Adlershof Journal
