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29. April 2026

Grünes Licht für alle: Intelli­gen­te Ampeln unterstützen beim Überqueren von Kreuzungen

DLR entwickelt Ampelsteuerung, die zu Fuß gehende Menschen bei der Schaltung berücksichtigt

Mehrere Menschen überqueren eine Straße an einer Ampel in einer Stadt.
Im Projekt LTSA+ haben die Forschenden die Steuerung so angepasst, dass sie auch Menschen zu Fuß automatisch erkennt. © DLR / Regina Sablotny

Intelligente Verkehrssteuerung hat viele Vorteile: Sie kann den Verkehr sicherer und effizienter lenken, Emissionen reduzieren und den öffentlichen Nahverkehr unterstützen. Besonders die positiven Auswirkungen auf den Autoverkehr sind gut belegt. Menschen, die sich zu Fuß durch die Stadt bewegen, profitieren aber zurzeit noch nicht in gleichem Maße.

Im Projekt LTSA+ hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Unterstützung des Unternehmens VITRONIC in den vergangenen zwei Jahren ein System zur Verkehrssteuerung an Ampeln weiterentwickelt, das zu Fuß gehende Menschen berücksichtigt. „Mit unserem sogenannten Local Traffic Safety Analyzer (LTSA) können Ampelschaltungen jetzt an Fußgängerinnen und Fußgängern ausgerichtet werden. Das hilft dabei, die Überquerung von Straßenkreuzungen auch für die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmenden zu verbessern. Ziel ist, dass sie sicher, bedarfsgerecht und ohne lange Wartezeiten über die Straße kommen“, erklärt Dr. Tobias Hesse, Leiter des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik.

Flexible Schaltung in Echtzeit

Die im Projekt entwickelte LTSA-Verkehrssteuerung basiert auf einer von VITRONIC entwickelten Sensorplattform, die Verkehrsobjekte datenschutzkonform erkennt. Die Daten werden in Echtzeit mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) verarbeitet, um die Verkehrssituation zu interpretieren. Die Verkehrsobjekte werden klassifiziert und ihre vermutlichen Wege bestimmt. Die Forschenden konnten die Steuerung so anpassen, dass sie auch Menschen zu Fuß automatisch erkennt. So weiß die Ampel jeder Zeit, wie viele zu Fuß gehende Personen die Kreuzung überqueren wollen oder gerade dabei sind. Außerdem misst sie die Wartezeiten und berechnet die Zeit, die die Menschen benötigen, um die Straße zu überqueren. „Personen, die langsam über die Straße gehen, können von einer angepassten Ampelschaltung besonders profitieren, also ältere Menschen und Kinder zum Beispiel“, beschreibt Hesse. Die Steuerung kann zusätzlich so konfiguriert werden, dass sie auf die Anzahl der wartenden Personen reagiert. Oder es werden Ampelphasen weggelassen, wenn niemand die Straße zu Fuß überqueren will. Das kann dann sogar positive Effekte für den Autoverkehr haben.

Genauerer Blick auf den Fußgängerweg

Erprobt wurde das LTSA-System im Frühjahr 2026 an der Kreuzung Kiepenheuerallee und Georg-Hermann-Allee in Potsdam – mit Unterstützung von VITRONIC sowie der Stadt Potsdam. Hier weiteten die Forschenden die Bereiche zur Verkehrserfassung so auf die Gehwege aus, dass auch die Fußgängerinnen und Fußgänger rechtzeitig erkannt wurden. Sie mussten dafür keinen Ampeltaster drücken. Unterstützend nutzten die Forscherinnen und Forscher die DLR-Simulationssoftware SUMO, um verschiedenen Strategien zur Ampelschaltung zu erproben und ihre Auswirkungen zu testen. „Unser Ziel ist es, den Verkehr über eine Kreuzung so zu steuern, dass alle Verkehrsteilnehmenden ausgewogen berücksichtigt werden. Aber wir schaffen mit dem LTSA auch die Möglichkeit für Kommunen ihre Prioritäten selbst zu wählen. So kann die Steuerung zum Beispiel bewusst umweltfreundliche Fortbewegungsarten fördern“, betont Hesse.

Übertragbar auf andere Kreuzungen

Das LTSA-System lässt sich an die Gegebenheiter jeder Kreuzung anpassen. Es stellt Daten für die Verkehrsplanung bereit, die gebräuchliche Ampel-Steuergeräte und -Verfahren verwerten können. Gut eignen sich Kreuzungen, die besonders viele, besonders wenige oder mobilitätseingeschränkte Menschen überqueren möchten. Dabei kann das LTSA-System die unterschiedlichen infrastrukturellen Gegebenheiten und das Verkehrsaufkommen berücksichtigen. Ziel der Forschenden für die Zukunft ist es, multimodale Ampelsteuerungen zu entwickeln. Mit ihnen sollen alle Gruppen, die am Verkehr teilnehmen, berücksichtigt werden: von Privatfahrzeugen über den öffentlichen Nahverkehr bis hin zu Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind.

Kontakt:

Melanie-Konstanze Wiese
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation
+49 30 67055-639
melanie-konstanze.wiese(at)dlr.de
www.dlr.de/vf

 

DLR-Pressemeldung vom 29. April 2026

Außeruniversitäre Forschung Digitalisierung IT / Medien Verkehr / Raumfahrt Mobilität

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