Chatbots im Arbeitsalltag: Zwischen Neugier und Verantwortung
Wie Adlershofer Unternehmen Künstliche Intelligenz in ihren Arbeitsalltag integrieren
Als ChatGPT Ende 2022 öffentlich zugänglich wurde, war die Neugier groß. Viele nutzten den neuen Chatbot zunächst privat. Texte schreiben. Fragen stellen. Sich beim Denken helfen lassen. Innerhalb kurzer Zeit zeigte sich, dass solche sprachbasierten KI-Systeme weit mehr sein konnten als digitale Spielerei. Sie fanden ihren Weg in die Wissensarbeit und damit auch in Unternehmen. Dabei ist klar: Künstliche Intelligenz umfasst weit mehr als Chatbots. Doch deren rasanter Einzug in den Arbeitsalltag hat dazu geführt, dass gerade sprachbasierte Systeme heute oft stellvertretend für KI stehen.
Auch in Adlershof, wo Forschungseinrichtungen und technologieorientierte Unternehmen eng verzahnt arbeiten, gehören solche Anwendungen inzwischen zum beruflichen Alltag. Sie helfen bei Recherche, Planung, Strukturierung und Dokumentation, fassen Inhalte zusammen oder bereiten Texte vor. Besonders in frühen Arbeitsphasen sorgen sie dafür, schneller zu belastbaren Grundlagen zu kommen. Für diesen Beitrag haben wir Adlershofer Unternehmen gezielt danach gefragt, wie sie KI im Arbeitsalltag nutzen, welche Regeln dabei gelten, wie sicher sich Mitarbeitende im Umgang fühlen und welche Haltung dem Thema im Unternehmen begegnet.
„Wir nutzen KI im Arbeitsalltag sehr breit – von der Zusammenfassung von Meetings über Recherche und Planung bis hin zur Softwareentwicklung. Dafür gibt es bei uns klare Leitlinien, insbesondere zum Datenschutz, innerhalb derer Mitarbeitende eigenverantwortlich neue Tools erproben können.“
Thorsten Rimkus, convivo GmbH
// Softwareentwicklung
Je selbstverständlicher sprachbasierte Systeme genutzt werden, desto stärker rücken Fragen nach Regeln und Verantwortung in den Blick. Einige Unternehmen starten bewusst pragmatisch und sammeln zunächst Erfahrungen. Andere ziehen früh klare Leitplanken, vor allem dort, wo sensible Daten oder Kundeninformationen betroffen sind. Eines fällt dabei ins Auge: KI wird meist als unterstützendes Werkzeug verstanden, nicht als Instanz für Entscheidungen. Fachliche Bewertung, menschliche Kontrolle und Kontextwissen bleiben zentrale Voraussetzungen für ihren Einsatz.
„KI unterstützt uns bei vielen Routineaufgaben wie Recherche, Textarbeit, Datenhandling oder Projektstrukturierung. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass KI fehleranfällig sein kann: Sie inspiriert und zeigt Richtungen auf, ersetzt aber keine fachliche Bewertung oder menschliche Entscheidung.“
Jörn Kamps, CellSense Technologies
// Biotechnologie/Mikroskopie
Wie souverän KI im Arbeitsalltag eingesetzt wird, hängt weniger von der Unternehmensgröße als von den Menschen ab, die mit ihr arbeiten. In vielen Fällen entsteht Wissen informell: durch Ausprobieren, Weitergeben von Erfahrungen und gemeinsames Lernen im Projektalltag. Formale Schulungen oder feste Weiterbildungsformate sind zumindest in kleinen und mittelgroßen Unternehmen eher die Ausnahme. Entsprechend unterschiedlich ist der Kenntnisstand, oft sogar innerhalb eines Teams: Während einige Mitarbeitende KI gezielt einsetzen, tasten sich andere noch vorsichtig heran oder lassen sie ganz außen vor.
„Wir sehen in KI durchaus ein Werkzeug, das Prozesse unterstützen kann. Gleichzeitig entstehen viele unserer Konstruktionen im Prototypenbau sehr intuitiv und kreativ. Da spielt KI derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Entsprechend nähern wir uns dem Thema eher vorsichtig und pragmatisch.“
Markus Lankes, MOC Simulation Services
// Maschinenbau/Simulation
Neben allen praktischen Anwendungen bleibt KI ein emotionales Thema. Begeisterung über neue Möglichkeiten steht neben der Sorge, dass kreative, erfahrungsbasierte oder verantwortungsvolle Tätigkeiten an Bedeutung verlieren könnten. Gerade dort, wo Arbeit stark intuitiv geprägt ist, wird KI eher zurückhaltend eingesetzt. Gleichzeitig ist vielen bewusst, dass sich die technologische Entwicklung nicht einfach ausblenden lässt. Die Haltung vieler Unternehmen bewegt sich daher zwischen Neugier, Skepsis und dem Wunsch, die Kontrolle nicht aus der Hand zu geben.
„KI hilft uns vor allem bei der Recherche enorm. Gerade beim Einstieg in neue Themen spart sie viel Zeit und liefert oft beeindruckend vollständige Ergebnisse. Entscheidend ist allerdings, die richtigen Fragen zu stellen und genug Fachwissen mitzubringen, um Fehler zu erkennen.“
Christine Wedler, ASCA
// Angewandte Synthesechemie
Der Blick in den Arbeitsalltag zeigt: Künstliche Intelligenz verändert weniger abrupt, als es viele Debatten vermuten lassen. Sie fügt sich in bestehende Strukturen ein, verstärkt Routinen, beschleunigt Prozesse und macht zugleich sichtbar, wie Unternehmen mit Unsicherheit, Verantwortung und Wandel umgehen. Ob KI als Entlastung, Inspiration oder Herausforderung wahrgenommen wird, hängt dabei weniger von der Technologie selbst ab als von der Kultur, in die sie eingebettet ist. Entscheidend bleibt, wie bewusst sie eingesetzt wird und wo Menschen weiterhin die letzte Instanz sind.
Kai Dürfeld für Adlershof Journal

