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10. September 2026

Adlershof macht Schule

Lernen neu denken – Architektur und Pädagogik schaffen an der neuen Gesamtschule viel Raum für Individualität, Gemeinschaft und moderne Bildung

Lächelnde Person mit kurzen Haaren und Brille steht vor Säulen in einer Aula.
Machen Lust auf Schule: Martina Schulz-Brüssel und der Neubau in Adlershof. © WISTA Management GmbH
Innenhof eines modernen Bürogebäudes mit braunem Holzfassadenanteil, großen Fenstern, grüner Rasenfläche und jungen Bäumen
Viel Platz zum Spielen in der Pausenzeit bietet der grüne Innenhof der neuen Gemeinschaftsschule Adlershof. © WISTA Management GmbH
Blick durch ein rundes Fenster in einer gelben Wand auf einen Raum mit Stühlen und großen Fenstern
Blick ins Klassenzimmer. © WISTA Management GmbH

Das neue Schuljahr kann kommen: Wer vor dem imposanten Neubaugebäude im Eisenhutweg 129 steht, spürt, dass hier ein besonderer Lernort entstanden ist, ein Zukunftsort am Zukunftsort Adlershof.

Die neue Gemeinschaftsschule folgt einem Konzept, das den Anspruch hat, Lernen anders zu organisieren. Dies wird auch an den Räumlichkeiten sichtbar. Bereits lange vor der Grundsteinlegung entwickelte die heutige Schulleiterin Martina Schulz-Brüssel gemeinsam mit einer Projektgruppe die Vision einer Schule, in der Architektur und Pädagogik zusammen gedacht werden: „Wir hatten die Chance, unsere pädagogische Idee in den Architekturwettbewerb einzubringen“, sagt Schulz-Brüssel rückblickend. 

Das Ergebnis: ein weitläufiges Schulgebäude, das sich in zwölf sogenannte Compartments gliedert. Statt langer Flure prägen kleine, überschaubare Lernbereiche das Gebäude. Vier Klassenräume – in der Grundstufe sind es nur drei – gruppieren sich um ein gemeinsames Forum, das nicht nur Treffpunkt, sondern auch Lernort ist. „So entsteht die kleine Schule in der großen Schule“, sagt die Schulleiterin beim Gang durchs Gebäude.

Die Räume schaffen Möglichkeiten für individuelles und gemeinsames Lernen, für Rückzug ebenso wie für Austausch. „So habe ich einen geschützten Bereich, in dem die Kinder über Jahre zu Hause sind“, sagt Schulz-Brüssel.

Perspektivisch werden hier über 1.300 Kinder und Jugendliche von der ersten Klasse bis zum Abitur lernen können. Die neue Gemeinschaftsschule bietet ausreichend Platz für alle und vereint Grundschule, Sekundarstufe I und gymnasiale Oberstufe unter einem Dach. Neben den Compartment-Einheiten gibt es gemeinschaftlich genutzte Bereiche im Erdgeschoss für Mensa, Lehrküche, Bibliothek und Mehrzweckflächen sowie Schülerlabore und eine Holzwerkstatt. Ergänzt wird der Campus durch zwei im Untergeschoss liegende Sporthallen mit insgesamt sechs Hallenteilen, draußen ein großes Sportgelände sowie ein Schulgarten mit Teich und grüne Klassenzimmer im Freien.

Die räumliche Gestaltung unterstützt das geplante Unterrichtskonzept: In den Fächern Mathematik und Deutsch wechseln sich Vorlesung, Seminar und Freiarbeit ab. Die Lehrkraft führt neue Inhalte ein, anschließend arbeiten die Schülerinnen und Schüler je nach individuellem Lerntempo weiter. Wer zusätzliche Unterstützung braucht, erhält sie – wer schneller vorankommt, kann eigenständig arbeiten. „Wir wollen es mit der Selbstständigkeit aber auch nicht übertreiben“, sagt Schulz-Brüssel, die selbst Chemie und Erdkunde unterrichtet. Die jetzigen Jahrgänge seien noch anders schulsozialisiert. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Selbstständigkeit Schritt für Schritt wachsen müsse. „Corona hat uns gelehrt, dass Kinder sich bestimmte Inhalte nicht selbst beibringen können.” Besonders Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen benötigen eine intensive Anleitung. Gleichzeitig komme nicht jedes Kind mit den gleichen Voraussetzungen aus der Grundschule. Deshalb werde die Eigenverantwortung behutsam aufgebaut.

Auch auf klassische Noten verzichtet die Gemeinschaftsschule zunächst. Bis einschließlich Klasse 8 erhalten die Schülerinnen und Schüler kompetenzbasierte Rückmeldungen, erst ab Klasse 9 kommen Noten hinzu. „Wir halten das für wertschätzender und motivierender – und für die Eltern transparenter“, sagt die Schulleiterin. Statt einer einzelnen Ziffer werde sichtbar, in welchen Bereichen ein Kind Stärken habe und wo noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.

Neu ist zudem das fächerübergreifende Lernen. Naturwissenschaften werden bis Klasse 8 als gemeinsamer Lernbereich unterrichtet. Schulz-Brüssel erklärt die Idee an einem Beispiel: „Beim Thema Wald kann ich sowohl Bereiche der Biologie als auch Chemie abdecken, aber auch etwas Physik, wenn ich etwa die Funktion eines Mikroskops erkläre.“ Gleiches gilt für die Fächer Geschichte, Geografie, Politische Bildung und Ethik, auch hier gibt es Themen wie etwa Migration, die Inhalte verschiedener Disziplinen verbinden – mit dem Ziel, Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Auch digitale Bildung gehört selbstverständlich zum Konzept. Tablets und digitale Tafeln sind fester Bestandteil des Unterrichts – allerdings mit Augenmaß. Die Geräte bleiben in der Schule, geschrieben wird auf Papier. „Mit der Hand zu schreiben ist kognitiv wichtig“, betont die Schulleiterin. Gleichzeitig dürfe künstliche Intelligenz nicht ausgeblendet werden: „Wir müssen die Kinder und Jugendlichen dazu befähigen, die Nutzung von KI zu hinterfragen.“

Als gebundene Ganztagsschule bietet die Gemeinschaftsschule Lern- und Erholungsphasen über den gesamten Tag an. Arbeitsgemeinschaften, Lernzeiten und Unterricht greifen ineinander, klassische Hausaufgaben entfallen weitgehend. In Zeiten von KI seien Hausaufgaben außerhalb der Schule nicht mehr sinnvoll, gibt Schulz-Brüssel zu bedenken. Geübt wird in der Schule – dort, wo Unterstützung möglich ist. Für sie ist das auch eine Frage der Chancengerechtigkeit, da Kinder unterschiedlich stark von der Unterstützung zu Hause profitieren.

Zum Schulbeginn werden zunächst rund 540 Schülerinnen und Schüler das neue Schulgebäude beleben – darunter Erstklässler, 7. und 8. Klassen sowie zwei 
11. Klassen. Im Laufe der Jahre wird die Gemeinschaftsschule hochwachsen. Auch vieles andere soll und wird sich sukzessive weiterentwickeln: zum Beispiel Kooperationen mit dem Technologiepark Adlershof in Form von Schulbörsen, Praktika oder Studienorientierung. Das Potenzial am Wissenschaftsstandort ist groß. Auch das Lehrerkollegium wird sich vergrößern. „Wir wollen gemeinsam Schule entwickeln“, sagt Martina Schulz-Brüssel. Die Schulleiterin freut sich auf die bevorstehende Aufgabe: „Es wird eine spannende Zeit – wir wissen, wo wir hinwollen.“ 

Heike Gläser für Adlershof Journal

https://gemeinschaftsschule-adlershof.de/

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