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10. February 2022

Die Lausitz nach der Kohle – Zukunftschancen durch Mikrosensorik und Digitalisierung

Bundesforschungsministerium fördert den regionalen Strukturwandel in der Lausitz durch innovative Technologien mit 20 Millionen Euro

Projektleiter des iCampµs Harald Schenk, der einen Mikrochip in seiner Hand hält © BTU/Sebastian Rau

Die Energiewende ist gerade für Regionen, deren Wirtschaftskraft eng mit der Kohleförderung verbunden ist, eine große Herausforderung. Bis zu 25.000 Industrie-Arbeitsplätze hängen alleine in der Lausitz direkt und indirekt an der Braunkohle. Damit der Strukturwandel gelingt, sind Zukunftsperspektiven gefragt. Hier setzt der »Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik (iCampµs Cottbus)« an. Durch Forschung und Entwicklung zu Mikrosensorik und Digitalisierung schaffen fünf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU Cottbus-Senftenberg) ein breites technisches Angebot insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) – und damit eine Perspektive für Fachkräfte und die Wirtschaftskraft in der Region. Der Fokus der Entwicklungen liegt auf Smart Health, Umweltsensorik 4.0 und Industrie 4.0.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die zweite Phase des Projekts »Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik (iCampµs Cottbus)« von 2022 bis 2026 mit 20 Millionen Euro. In der ersten Phase von 2019 bis 2021 hat das BMBF die fünf Konsortialpartner mit 7,5 Millionen Euro aus dem Sofortprogramm zur Umsetzung der Empfehlungen der Kommission »Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung« unterstützt. Auf den hier erreichten Forschungsergebnissen baut nun die zweite Phase auf, in der die Ergebnisse für die wirtschaftliche Verwertung weiterentwickelt werden. Zum feierlichen Auftakt der Phase 2 findet am 10.2. eine virtuelle Kick-Off-Veranstaltung statt.

»Wir sind als iCampµs Cottbus angetreten, um mit unserer Forschung und Entwicklung die Brücke in die regionale Wirtschaft zu schlagen. Inzwischen haben wir passende KMU in der Lausitz für unsere Projekte gefunden. Ich freue mich, dass wir nun mit elf Firmen in diese zweite Phase starten – es lagen uns sogar 44 Absichtserklärungen vor. Das ist ein großer Erfolg für uns und Ansporn zugleich, diesen Transfer zu leben«, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Harald Schenk vom Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS. Weitere Projektpartner sind die BTU Cottbus-Senftenberg, das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, das Ferdinand-Braun-Institut gGmbH, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH), das Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP) und die Thiem-Research GmbH.

Gemeinsam entwickelt – berührungsloses Medizinradar

Als anschauliches Beispiel der gemeinsamen Zusammenarbeit steht das in Cottbus entwickelte Medizin-Radar. Das 10 cm x 10 cm große Radar ist in der Lage neben der Atmungsfunktion von Probanden auch weitere Vitalparameter wie Herztöne zu detektieren. Größter Vorteil dabei ist, dass dies alles berührungslos funktioniert. Damit ergeben sich viele Anwendungsmöglichkeiten zur Überwachung von Patient*innen im stationären aber auch mobilen Umfeld der medizinischen Betreuung.

Mittlerweile leitet dieses Arbeitspaket die Thiem-Research GmbH (TRS), die Tochtergesellschaft des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums, das im Zuge des Strukturwandels zum Innovationszentrum Universitätsmedizin Cottbus weiterentwickelt werden soll. Das Radar ist modular aufgebaut, sodass die verwendete Antenne vom IZM designt und entwickelt wird, die Signalanalyse an der BTU stattfindet, der verwendet Chip vom IHP geliefert wird und der lineare Receiver vom FBH gestellt wird. Jeder Partner trägt so zum Gelingen des Gesamtsystems bei. Die TRS sorgt mit der klinischen Integration und dem Ethikvotum, dass aus einer Elektronik auch ein echtes Medizinprodukt werden kann.
 

Projekthintergrund

Die Kommission »Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung« der vorherigen Bundesregierung hob in ihrem Abschlussbericht die außerordentlich hohe Bedeutung der Innovationskraft für die wirtschaftliche und indirekt gesellschaftliche Entwicklung einer Region hervor. Einen besonderen Stellenwert hat dabei die »Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft mit Hochschulen sowie mit universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen«. In solche Zusammenarbeit investierte Mittel erzeugen erforderliche Innovationen und haben signifikanten Einfluss auf die Steigerung des Bruttoinlandproduktes. Die Förderung für das Projekt iCampµs Cottbus erfolgt im Rahmenprogramm der Bundesregierung 2021-2024 »Mikroelektronik. Vertrauenswürdig und Nachhaltig. Für Deutschland und Europa.« mit Mitteln des Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen.

Das Projekt »Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik Cottbus« zielt darauf, den Wissens- und Erkenntnistransfer in die Wirtschaft zu beschleunigen. An der BTU Cottbus-Senftenberg soll ein regionaler Anlaufpunkt mit nationaler Strahlkraft im Bereich der anwendungsnahen Elektronik und Mikrosensorik geschaffen werden. Sowohl von der Erstellung von Einzellösungen bis hin zur stückzahlfähigen Kleinserienproduktion können Demonstratoren oder Prototypen für KMU erarbeitet werden. Durch die breiten Kompetenzen der sechs Partner, können technische Lösungen aus dem Bereich der Optik und Photonik, der Höchstfrequenztechnik, der MEMS-Technik und der anwendungsnahen KI-Auswertung angeboten werden.

www.icampus-cottbus.de
 

Kontakt

Petra Immerz
Communications Manager

Ferdinand-Braun-Institut gGmbH
Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik
Gustav-Kirchhoff-Straße 4, 12489 Berlin

Tel. +49 30 6392-2626
E-Mail petra.immerz(at)fbh-berlin.de
www.fbh-berlin.de

 

Pressemitteilung FBH vom 10.02.2022