Wo sollen die Gewerbehöfe 2.0 entstehen?: TU-Studierende erstellen Machbarkeitsstudie für Gewerbehöfe in Berlin Lichtenberg und Berlin Spandau

03. November 2020

Wo sollen die Gewerbehöfe 2.0 entstehen?

TU-Studierende erstellen Machbarkeitsstudie für Gewerbehöfe in Berlin Lichtenberg und Berlin Spandau

dunkelblau: EpB-Gebiet 14 (Entwicklungskonzept für den produktionsgeprägten Bereich): Herzbergstraße (SenSW 2020: 151)

dunkelblau: EpB-Gebiet 32 (Entwicklungskonzept für den produktionsgeprägten Bereich): Am Juliusturm (SenSW 2020: 133)

Berlin braucht neue Gewerbehöfe. Aber was geht da eigentlich? Studierende der Technischen Universität Berlin haben eine Machbarkeitsstudie angefertigt, betreut von Prof. Dr. Lech Suwala.

Der Professor für Stadt- und Regionalökonomie der Technischen Universität Berlin (TU) schickt eines voraus: „Die Studie haben die Studierenden größtenteils selbstständig erarbeitet, ich habe mit zwei Kollegen von der WISTA Management GmbH nur flankierend beraten.“ Da Gewerbe gewünscht, Platz aber knapp ist, steigen die Quadratmeterpreise rasant. Suwala: „Wir haben eine beträchtliche Flächenkonkurrenz zwischen Wohnen und Gewerbe.“

Acht Studierende hatten sich im Sommersemester 2020 zu einer Projektgruppe zusammengefunden. Die WISTA bat um Prüfung zweier Standorte mit Potenzial. Unter die Lupe genommen wurden Flächen in Spandau und Lichtenberg – mit Standortanalyse, städtebaulicher Konzeptstudie und Nutzungskonzept. Die Studie dient der WISTA als Hilfestellung für die zeitnahe Entwicklung beider Standorte.

Der Gewerbehof, der in Lichtenberg entstehen soll, wird auf das verarbeitende Gewerbe und das Handwerk ausgelegt. Grund: Er befindet sich inmitten eines historisch gewachsenen Standorts mit teils denkmalgeschützten Industriegebäuden. Nach 1990 lag dort vieles brach, zahlreiche gebietsprägende Unternehmen existieren nicht mehr, kleine und mittlere Handwerks- und Gewerbebetriebe dominieren. Metallverarbeitung, Fahrzeug-, Geräte- und Werkzeugbau, Elektro- und Bahntechnik sind hier die wichtigsten heute ansässigen Branchen.

Ganz anders ist es in Spandau: Der dort geplante Gewerbehof eignet sich sowohl für kleinteiliges Handwerk als auch für die Technologie- und Gründerszene. Die Nähe zur Siemensstadt 2.0, zu BMW und vielen alteingesessenen Unternehmen eröffnet vielfältige Möglichkeiten für die Vernetzung. Suwala: „Es geht um den Aufbau eines wirtschaftlichen Ökosystems!“

Bei Bedarf haben auch eine Kita oder ähnliche Einrichtungen Platz. So soll der größte Industriestandort Berlins, der sich vor allem durch flächenintensives Gewerbe auszeichnet und neben der Ernährungswirtschaft, Baugewerbe und Produktion auch Industrie und Handwerk beherbergt, attraktiver gemacht werden.

Was die Erschließung betrifft, eignet sich der Lichtenberger Standort, da rechtwinkelig, besonders gut. In Spandau hingegen bedarf es auf einer Fläche von 280 m Länge und 60 Metern Breite unterschiedlicher Bautiefen. In den Gebäuden sollen die Korridore und Erschließungsflächen auf ein Mindestmaß reduziert werden. Auch Deckentraglasten müssen genau kalkuliert werden – denn die sind teuer. All dies dient dem Ziel, ein wirtschaftlich tragfähiges Betreiberkonzept zu ermöglichen.

Weitere Besonderheiten: Eine Hochspannungsleitung in Lichtenberg und eine ungesicherte Zufahrtsstraße in Spandau erschweren die Erschließung. Experten kümmern sich um Klärung. Außerdem werden Verkehrsgutachten erstellt und Altlasten in den Böden untersucht.

Technische Innovationen – so die Feststellung der Studierenden – werden künftig maßgeblichen Einfluss auf die Gewerbestruktur haben. Die Zukunft wird digitaler, smarter, nachhaltiger. Die 5G-Mobilfunk-Infrastruktur und der 3D-Druck tragen dazu entscheidend bei. Sie sind wichtige Voraussetzungen für flexible Produktionsprozesse, digitale und automatisierte Arbeitsabläufe und eine neue räumliche Arbeitsteilung. Sauberes, leises, platzsparendes und umweltverträgliches Arbeiten soll eine Rückkehr der Industrie in die Städte ermöglichen.

Suwala: „Das sind wichtige Zukunftstrends: Das Gewerbe soll zurück in die Innenstädte und mit ihm eine Berliner Mischung 2.0. Wir wollen Handwerker und Kiez-Unternehmen neben Start-ups ansiedeln. Wir wollen ein Nebeneinander von Arbeiten und Wohnen. Am Ende soll sowohl für die Stadt als auch deren Bewohner etwas herausspringen – dringend benötigte Steuereinnahmen und ein lebenswerter Raum!“ Das Leitbild ist dabei die „Stadt der kurzen Wege.“

Von Kathrin Reisinger für Potenzial – Das WISTA-Magazin

Potenzial: Gewerbehöfe 2.0
Potenzial – Das WISTA-Magazin. Ausgabe Berliner Gewerbehöfe der Zukunft 2020