PhoCatZo oder die vierte Stufe: TruTraTec geht neue Wege in der Abwasserreinigung

25. Juni 2019

PhoCatZo oder die vierte Stufe

TruTraTec geht neue Wege in der Abwasserreinigung

TruTraTec © WISTA Management GmbH

Asra Taras, Laborassistentin und Gesellschafterin von TruTraTec, und Mohammed Mehrjouei demonstrieren den selbst konstruierten Photoreaktor zur Abwassereinigung. Bild: WISTA Management GmbH

Mohammed Mehrjouei wusste immer, dass er eine eigene Firma gründen wollte. „Ideen habe ich viele“, erzählt der 41-Jährige. Jetzt schickt er sich an, mit einem von ihm erdachten und entwickelten Photoreaktor neue Wege in der Abwasserreinigung zu gehen. Mehrjouei hat darüber promoviert und will seine Erkenntnisse nun in die Praxis umsetzen. Sein Unternehmen, die TruTraTec entwickelt und produziert saubere, nachhaltige und intelligente Lösungen insbesondere im Bereich der Wasseraufbereitung. Dafür nutzt das Unternehmen, das momentan zur Gründerwerkstatt Adlershof gehört, die relativ junge Technologie der erweiterten Oxidationsprozesse – Advanced Oxidation Processes (AOP).

„Abwasser“, erklärt Mohammed Mehrjouei, „wird heute in drei Stufen gereinigt: mechanisch, biologisch und chemisch.“ Gerade in schwer belastetem Abwasser bleiben aber trotz dieser drei Stufen Schadstoffe zurück, beispielsweise in medizinischem Abwasser gefährliche Reste von Hormonen oder Medikamenten. „Wir ergänzen mit unserem Verfahren den Reinigungsprozess um eine vierte Stufe. Am Ende hat das aufbereitete Wasser Trinkwasserqualität.“

Mehrjouei, der 1977 im Irak geboren wurde und anschließend mit der Familie in den Iran zog und dort aufwuchs, studierte nach dem Abitur Chemie. Warum Chemie? „Es ist doch wunderbar, die Kleinigkeiten im Leben zu ergründen“, sagt Mehrjouei und ergänzt: „Wenn nicht Chemiker, dann wäre ich Koch geworden.“

In Teheran hat Mehrjouei lange als Projektleiter in Forschung und Entwicklung für eine Firma für Lackierungen gearbeitet. Doch nach der Masterarbeit 2001 zog es ihn immer wieder zum Studieren zurück. „Die Arbeit macht Spaß, aber ich wollte weiter forschen.“ Mehrjourei suchte eine Doktorandenstelle. Als er die im Iran nicht findet, bewirbt er sich in Europa, den USA und Kanada. Von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) kommt nach zwei Wochen eine Zusage.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Luft- und Wasserchemie der BTU kommt er nach Adlershof. Hier erforscht, entwickelt und baut er für seine Doktorarbeit diverse neue Reaktoren für die Abwasseraufbereitung.

„Die Nachfrage nach neuen effektiven Verfahren zur Behandlung von Abwässern wächst“, sagt er. Nicht zuletzt strengere Auflagen und das gesteigerte Umweltbewusstsein spielen hierbei eine gewichtige Rolle. Gleichzeitig wächst die Anzahl nachgewiesener Schadstoffe, weil analytische Methoden immer feiner werden. Außerdem ist die Giftigkeit vieler Verbindungen heute erst bekannt. Mit einigen dieser Schadstoffe kommen herkömmliche Reinigungsmethoden gut zurecht, viele andere sind für sie allerdings nicht zu bewältigen. Viele auf dem Markt befindliche Verfahren zur chemischen Wasseraufbereitung arbeiten bereits unter Anwendung der Oxidation. Gewöhnlicher Sauerstoff reicht aber oftmals nicht aus, um Schadstoffe abzubauen oder Keime abzutöten.

Mehrjoueis Reaktor „PhoCatZo“ sieht aus wie ein überdimensionaler Kühlschrank – zwei mal zwei mal einen Meter. Gebaut hat er ihn in seiner Garage im Südosten Berlins. Im Ozon-Generator des Reaktors wird aus Sauerstoff konzentriertes Ozon. Abwasser und Ozon werden in einem nächsten Schritt gemischt, das ozonisierte Abwasser anschließend im Reaktor über „kleine Duschen“ auf Glasscheiben – den Photokatalysator – gesprenkelt. UV-Licht aktiviert den Photokatalysator und das Abwasser wird gereinigt. Die Photokatalyse verzichtet dabei grundsätzlich auf zusätzliche chemische Substanzen und zählt somit zu den umweltfreundlichsten und nachhaltigsten Technologien. Fünf solcher Reaktoren hat Mehrjouei vom Design bis zur Applikation in seiner Promotion entwickelt und  gebaut. „Alles im Labormaßstab also für etwa zwei Liter pro Stunde“, erklärt er. Der Prototyp in seiner Garage ist voll funktionsfähig und kann bis zu fünf Kubikmeter je Stunde Abwasser reinigen.

Im Moment, sagt Mehrjouei, sei er viel mit Kunden im Gespräch. Die Anlage ist fertig, Kunden bringen ihr Musterabwasser, nach der Behandlung in der Werkstatt werden die Ergebnisse den Kunden präsentiert. „Das Interesse ist groß“, so der Chemiker.

Von Rico Bigelmann für Adlershof Journal