Das Minus ist positiv besetzt: Im Gespräch mit Beate Mekiffer, die Innovationsprojekte bei der WISTA Management GmbH koordiniert

16. September 2021

Das Minus ist positiv besetzt

Im Gespräch mit Beate Mekiffer, die Innovationsprojekte bei der WISTA Management GmbH koordiniert

Beate Mekiffer © WISTA Management GmbH

Beate Mekiffer vor einem ihrer Lieblingsgebäude in der Stadt, dem Berliner Hauptbahnhof © WISTA Management GmbH

Das Minus ist bei Beate Mekiffer positiv besetzt. Seit elf Jahren arbeitet die Energieexpertin der WISTA Management GmbH daran, den Hightechstandort Adlershof energieeffizient zu machen. Grundlage ist ein mit ihrem Team entwickeltes integriertes Energiekonzept, das der wachsenden Wissenschaftsstadt bis zur Vollauslastung eine Senkung von 30 Prozent Primärenergieverbrauch sichern soll. Einsparpotenziale liegen nicht nur im Stromsektor, sondern auch in den Bereichen Wärme, Kälte und Verkehr. Mekiffer ist promovierte Geologin, war unter anderem am Institut für chemische Technologie der Akademie der Wissenschaften in Adlershof tätig, später in der Ökologieforschung an der Technischen Universität Berlin. Ihr Know-how fließt auch an andere Berliner Technologiestandorte wie das erste Technologiequartier mit Nur-Strom-Versorgung – das FUBIC in Dahlem. Ihr eigenes Energiedepot lädt Beate Mekiffer auf, wenn sie durch Brandenburger Kiesgruben zieht auf der Suche nach uralten Gesteinen.

Adlershof Journal: Was ist Ihre Aufgabe bei der WISTA?

Beate Mekiffer: Ich entwickle und realisiere mit meinem Team Projekte für Energieeffizienz, für nachhaltige Mobilität, Smart City und Projekte, die an der Schnittstelle dieser Themen liegen. Wichtig ist mir die Verbindung zwischen Innovation und Nachhaltigkeit und die Vereinbarkeit von Ökologie mit Ökonomie.

Wo liegen aktuelle Energieeffizienzpotenziale?

Einsparpotenziale bei Gebäuden liegen im Bestandsbau, nicht im Neubau. Daher haben wir uns die einzelnen Technologiegebäude der WISTA genau angeschaut und verschiedene Maßnahmen identifiziert. Dazu gehört etwa ein individualisiertes bedarfsgerechtes Nutzerheizprogramm für unseren Firmensitz in der Rudower Chaussee 17. Das geht mit der diesjährigen Heizperiode an den Start. Statt eines zentralisierten Standardheizprogramms gibt es dort jetzt eine digitalisierte Einzelraumregelung.

Rechnet sich das und wie motiviert man die Nutzenden?

Die erwartete Energieeinsparung liegt bei zehn bis 15 Prozent. Die Nutzenden bekommen angezeigt, wie energieeffizient sie agieren. Das spornt sicher an, unnötige Heizkosten zu vermeiden. Außerdem ist die Technik, die wir für dieses Projekt entwickelt und eingebaut haben, Blaupause für das Innovationszentrum FUBIC.

Stichwort FUBIC. Was waren die Herausforderungen beim Nur-Strom-Projekt?

Das ist ein spannendes, vielfältiges Projekt, an dem ich seit 2016 dran bin: die erste Nur-Strom-Versorgung für ein Technologiequartier. Wie überall, wo Neuland betreten wird, gab und gibt es einige Hürden zu überwinden und Skeptiker zu überzeugen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind für solche Fälle oft nicht geschaffen und müssen angepasst werden. Auch an der Stellschraube Wirtschaftlichkeit muss gedreht werden. Dagegen ist die technische Realisierung von Sektorkopplung, also erneuerbaren Strom einzusetzen, um Wärme, Kälte und Antriebsenergie zu erzeugen, kein Problem.

Wenn Technologiequartiere CO2-neutral werden sollen, spielen auch Mobilitätsaspekte eine Rolle. Welche Themen stehen dort in Ihrem Fokus?

Für Adlershof gibt es ein eigenes Mobilitätskonzept, das sich vor allem mit dem Personenverkehr befasst. Zusätzlich wird künftig auch der Warenverkehr mehr Gewicht bekommen – also die Möglichkeit für Firmen, ihren Gütertransport nachhaltig zu gestalten. Hier könnten autonom fahrende E-Mobile unterstützen. Autonome Shuttle sind schon vom EUREF-Campus bekannt. Doch das ist Privatgelände. Unter welchen Voraussetzungen sich autonom fahrende Shuttle für den Technologiepark Adlershof realisieren lassen, wollen wir kurzfristig klären.

Wir nachhaltig leben Sie?

Ich bin ein Heizmuffel, spare Energie, wo ich kann, fahre mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, kaufe regionale Produkte. Ich habe einen großen Garten in der Uckermark im Nordosten Brandenburgs. Dort bewirtschafte ich eine Streuobstwiese, erhalte alte Obstsorten.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Meine Leidenschaft sind Steine. Einen 500 Millionen Jahre alten Stein in der Hand zu halten, fasziniert mich und relativiert vieles. Ich fahre in Kiesgruben, sammle nordische Geschiebe und Achate, bearbeite sie mit Steinsäge und Schleifmaschine. Ich arbeite in der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie e. V. (VFMG) mit, bereite dort Ausstellungen vor, unterstütze aber auch einen Kiesgrubenbesitzer, einen Geschiebegarten anzulegen. So viel Zeit wie möglich verbringe ich außerdem mit meinen sechs Enkelkindern.

Was steht auf Ihrer Wunschliste?

Zwei Reiseziele: Iran, weil das ein geschichtlich unheimlich interessantes Land ist und ich schon so viel über die Gastfreundlichkeit gelesen habe, und Bolivien, weil mein Vater dort eine Zeit gearbeitet hat und mein Schwiegersohn dort geboren ist.

Von Sylvia Nitschke für Adlershof Journal